Sonntag, 16. Juni 2013

2.54 LEGO CITY UNDERCOVER (WiiU)

9.3/10.0

Ich war u.a. ein Lego-Kind. Rückstände zahlreicher innerer Blutungen zeugen davon, dass ich im Alter von 3-10 tausende Male auf übersehene Eckteile gestiegen bin. (Der Aufdruck des Lego-Logos hatte die Sache dabei auch nicht besser gemacht - man hat diese Narben wie Brandmale getragen, wenn einen die kleinen Höcker ins Fleisch schnitten.)
Aber wollte man auf das flexible Bauen von erdachten Raumschiffen und Städten deswegen verzichten? Sicher nicht. Großpakete mussten ins Haus, je mehr, desto besser.
Heutzutage kann Lego die Kinder nach wie vor durch verregnete Nachmittage retten, die eingekauften Franchises wie WBs Harry Potter, DCs Batman, Disneys Pirates Of The Caribbean und selbstverständlich Star Wars pushen die Möglichkeiten und Verkaufszahlen erneut enorm. Klar blickt man da schon neidisch auf die Kids, aber es hat doch etwas Befriedigendes, Teil vom "alten" Lego gewesen zu sein und noch das Privileg zu genießen, sich (hauptsächlich) seine eigenen Welten zusammen geschustert zu haben.

Gut, wie ich nach jahrelanger Abstinenz feststellen konnte, rettet einen die Marke selbst durch schwierige Urlaube und durchaus auch verregnete Wochenenden, wenn auch nicht in ursprünglicher Form, sondern mit dem verlängerten Videospiel-Arm. Nachdem mich also Lego Star Wars für den DS vor Jahren alles andere als enttäuschte, griff ich ursprünglich aus reiner Sehnsucht nach dem kommenden GTA V auf das Open World-Monster Lego City Undercover für die WiiU zurück und wurde prompt gute 50 Stunden mit Tonnen von sehenswerten Collectibles, zahlreichen Errungenschaften und Freischaltungen und vorallem einer äußerst unterhaltsamen Story ausgestattet. Kurz: Wieder eines von diesen Spielen, die den satten Kaufpreis berechtigen.

Selten hat mich die mediale Aufmerksamkeit von Entwicklern so überrascht, wie in diesem Nintendo-Exclusive. Starke Filmreferenzen, unfassbar humorvolle Begebenheiten und smarte Verwendung ihres Produkts lassen das Spiel keine Sekunde lang undurchdacht und fad wirken (ausgenommen das einzige Manko des Titels: Die unnachgiebigen Ladezeit beim Betreten von Missionen und Gebäuden). Man ist ständig auf der Suche nach Upgrades, Geheimverstecken und sogenannten Super-Builds, auf denen sich kreative und teils wunderschöne Lego-Themenprojekte bauen lassen.
Die Akteure wachsen einem ans Herz, die Kostüme schlagen ein (ihr könnt zwischen hunderten Verkleidungen wählen - Bankräuber, Monster, Clowns, Flugbegleiterinnen, Zombies, Bauarbeiter, verschiedene Alienvariationen), die Aufgaben sind abwechslungsreich (gärtnern, beamen, stehlen, Spuren suchen, Sachen korrekt bemalen, fahren, reiten, basteln, Katzen retten, mit dem Presslufthammer arbeiten, Kaffee trinken, Wortspiele begreifen uvm. ..) und die Missionen packend, weit gestreut und zum Totlachen.

An jeder Ecke gilt es Merkwürdigkeiten zu verfolgen und liebevoll gestaltete Großstadtsimulationen (chillige Parks, chaotische Gefängnisse, gigantische Brücken oder das Polizei-Hauptquartier) zu verschönern. Selten hat ein Videospiel dermaßen befriedigt und glücklich gemacht, "Ahhhh"s und "Ohhh"s sind an der Tagesordnung, die Magie anfassbar, die Welt ein einziger großer Spielplatz.

Ein Spielplatz, der für die Figuren ein verrücktes Alltagsleben darstellt, in dem sie sich behaupten und ihren Berufen nachgehen müssen. Ihr seid Chase McCain, ein aus dem Exil zurückkehrender Polizist, der auf seinen aus dem Gefängnis ausgebrochenen Erzfeind Rex Fury angesetzt wird. Behindert durch die vertrottelte Polizeiarbeit seiner Kollegen und den Machenschaften organisierten Verbrechens, erkämpft man sich Schritt für Schritt eine irreführende Spur auf den gesuchten Verbrecher und hat schließlich als Undercover-Undercover-Polizist mit der Aufdeckung der geheimen Identität zu kämpfen. Und selbstverständlich der Tatsache, dass man der einzig korrekt arbeitende Bewohner des gesamten Ökosystems ist. Selbst Bauernhoftiere missverstehen zuweilen ihre Rolle.

Mit Lego City Undercover bekommt man also eines der ersten richtig großen Spiele für die WiiU ins Haus, die nicht von Nintendos gigantischem Mario-Baum gefallen sind. Spätestens jetzt hat sich die Entscheidung für diese Konsole berechtigt, so viel Spaß hatte ich in einem Game schon lange nicht mehr.
Zuschlagen, zuschlagen, zuschlagen!

StrawHat
(saß jetzt lang genug vor dem Compuper)
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LINKS:

LEGO CITY UNDERCOVER TRAILER: http://youtu.be/E7SYYU83RJ0

Mittwoch, 12. Juni 2013

1.32.1 Justin Timberlake - The 20/20 Experience (Deluxe)

7.1/10.0

Wie sicherlich nicht nur einmal erwähnt, ist Pop nicht mein Gebiet. Ich meine, heutzutage ist man der Radiowatsch'n auf die eine oder andere Weise sowieso ausgeliefert. Die Plattenfirmen spinnen einem die Sicherungen kaputt und Ohrwürmer schleichen sich ein. Die Leute greifen uns mit ihren perfekt konstruierten Balladen und unverschämt ordentlich arrangierten Chartbreakern an und oft reagiert man fast schon automatisch negativ auf neue Kommerzmusik, einfach weil sie sich eben danach anhört. Gute Künstler also auf einem musikalischen Grund und Boden herauszufiltern, über den so gut wie jeder schonmal geurteilt hat, ist knifflig und schwer vertretbar:
"Was? Der gefällt dir? Der schreibt doch nicht mal seine Songs selber!" oder "Nein, machs aus, ich kanns nicht mehr hören. Das ist schon die fünfte Single vom neuen Album." oder "Die ersten Alben waren viel besser, die verkauft mittlerweile jeden Scheiss."

Popmusik hat angesagt zu sein und es ist ein andauernder Meinungskampf und vorallem ein tägliches Wettrennen um Publicity und Artikel-, oder iTunes-Käufe oder Clicks im Internet geworden. Ein unüberschaubarer Strudel, den man vollkommen zur Seite stellt, wenn man einfach nur das gekaufte Werk in den Player wirft und auf Play drückt, sich eine CD-Laufzeit lang einfach nur mit dem Produkt beschäftigt und betet, das hart erarbeitete Geld nicht für Schwachsinn rausgeworfen zu haben. Extra Stress für Pop-Alben also, die so schnell an der Kante zur Sinnlosigkeit klingen und eine Welt beschreiben, die man als Normalsterblicher einfach nicht betritt, sondern nur davon träumt. Darüber sinniert.

Wenn ein Justin Timberlake also nach 6 1/2 Jahren und einer lustwandelnden Film-Karriere wieder einen Longplayer auf den Markt bringt, spitzt die 1. Welt die Ohren und setzt die Röntgenbrille auf um den herabgestiegenen Messias ausgewogen zu durchleuchten. Und da mich Mr. Timberlake einst mit sauberer Tanzmusik verzauberte und sein Kunstwerk über Sex und Liebe in unserer Zeit unerwartet stark in meiner persönlichen Wertung abschnitt, muss ich zugeben, nicht minder gehyped worden zu sein, wieder etwas von ihm um die Ohren gesäuselt zu bekommen. Plötzlich ist mir Popmusik ein Thema. Auf einmal kämpft hier ein Hollywood-Star um mehrere Strawards.
Mit Pauken und Trompeten.

Timberlake bringt eine rosarote Kreativität zu Tage, die an Charisma seinesgleichen sucht. Er schafft es, dieses hier nun mehr oder minder triefende Gesülze authentisch klingen zu lassen, unterstreicht seine Komplimente mit bodenständiger Badassness am Mikrophon (Suit & Tie), stimmt einen mehrstimmigen Lobgesang auf die Einzigartigkeit seiner Auserwählten an (Pusher Love Girl), arbeitet mit einhergehender Problematik eines Liebenden (Tunnel Vision, Mirrors) und trifft offenkundig jeden Ton dabei. Ob bei der ersten Aufnahme oder der zehnten ist in solchen Momenten irrelevant.

Diese kühle Brise während der 20/20 Experience, nimmt nur äußerst selten stürmische Regionen an. Sie tanzt hauptsächlich im Traumwandel und es empfiehlt sich, die Scheibe in langsamen Momenten zu genießen, um einer kitschigen .. Disney-Magie (Blue Ocean Floor) die Chance zu geben, sich zu entfalten. Sofort spürt man den inhaltlichen Wert des Werks und kann Timberlake längst nicht mehr böse sein, uns eine gefühlte Ewigkeit nicht mit einfach gestricktem Pop guten Herzens erfüllt zu haben.

Das nun ausgesprochen .. es könnte besser sein. Ab und an gewinnt man nämlich den Eindruck, er spielt auf ein Tor ohne Tormann, dreht seine Tracks in den abschließenden zwei Minuten geradezu nochmal um 90° um eine vollkommen neue Perspektive zu schaffen. Kurz gesagt: Man bewertet zu oft zwei Songs an Stellen, an denen es sich um lediglich einen handeln sollte.
Freilich hört sich das geil an, stinkt aber nach einer Art Musterschüler, der sich auf dem Risiko ohne Überraschung nicht ausruhen will.
Zudem hat er sich mit den Bonus-Tracks auf der Deluxe-Version keinen Gefallen getan. Blue Ocean Floor als Outro zu killen ist ein Produktions-Fauxpas. Eine EP hätte ich ihm mit Sicherheit abgekauft.

Anders als auf vorherigen Alben bietet nicht jeder Song eine Sympathie für die Ewigkeit. Die Singles sitzen stabil im Sattel, wichtige Eckpunkte wurden taktisch abgesteckt. Nur zwischendrin krankt das Ding etwas, kann daher als Gesamtwerk nicht über seinen direkten Vorgänger herausragen.

Gott sei Dank also ist das Label schlau genug, Ende des Jahres ein Sequel zu veröffentlichen. Ob die Musiklaune über den Zorn der doppelten Kosten triumphieren kann, wird sich also früher zeigen müssen als erhofft.

StrawHat
(shouldn't have to ask that question)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:
  
01 Pusher Love Girl
02 Suit & Tie
03 Don't hold the wall
04 Strawberry Bubblegum
05 Tunnel Vision
06 Spaceship Coupe
07 That Girl
08 Let the Groove get in
09 Mirrors
10 Blue Ocean Floor
11 Dress on
12 Body Count

Dienstag, 4. Juni 2013

1.31.1 Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork

7.8/10.0

Es hat eine gute Weile gedauert, bis ich mich aufgeschlossen an die wechselhaften QOTSA heranpirschen konnte. Nach einzelnen Sympathien zum Debutalbum und aufmerksamen Lauschern auf sowohl mittlerweile bekanntere Songs, als auch auf die durchaus interessanten Eckpunkte anderer Scheiben (insbesondere Lullabies To Paralyze und Songs For The Deaf), konnte ich mich schließlich aber doch auf das kommende neue Werk freuen, das ich mir schließlich auch gleich wie geplant zum Release griff.

Ich kann eine merkwürdige Faszination von Mr. Hommes Regie wirklich nicht abstreiten. Spätestens seit er die Arctic Monkeys zur Kraftentwicklung verdarb, sitze ich mit in seinem holprigen, anschlagenden Klangboot und fahre - im Falle von ...Like Clockwork - durch den dunklen Nebel, der mich an die schönsten Geisterbahn-Stationen führt, die ich mir beim Durchhören jemals erdenken konnte.

Personelle Umstellungen und ungewollt frühe ablebige Erfahrungen hatten dieses unbestritten unerwartet fokussierte Album zur Folge, auf dem sich pulsierende Trommelbewegungen und Gitarrenriffs im Wellengang überholen. Doch in diesem Tanz herrscht keine zehrende Hektik - die wäre in der erzielten Düsternis etwa so überfordert wie ein Vampir im Aufnahmestudio. Nein, Homme und sein Quartett bauten in der Erstellung dieses gelungenen Werks auf alte Routen. Sie greifen auf den Vertrauten Sound zurück und erzielen somit, was der konditionierte Fan hören will - Klangtreue.
Das Ding ist durch und durch QOTSA, wenn auch offenherziger und entspannter. Ich höre musikalische Führung und auch Freigeistarbeit heraus. Begeisternd abgestimmte Übergangspassagen zwischen den Songs (sogar mit unverhofften Gastvocals Mr. Turners) und einen kraftvollen Stomp, der sich durch das halbe Album zieht.
Beinahe ein Dutzend renommierter Namen zwischen Sir Elton John (der dem Album eine echte Queen schenken wollte) und Zornjammerstimme Trent Reznor tummeln sich in den Credits von ...Like Clockwork, verhelfen der Scheibe schon aber der ersten laufenden Sekunde eventuell zur Unsterblichkeit.

Unsicher, wie ich mich der drehenden Scheibe nähern sollte, erwischte mich der rohe, bestechend hässliche Brecher Keep Your Eyes Peeled eiskalt. Ich war Fan des Albums, bevor ich mir merkte, wie viele Punkte im Titel zu sehen sind. Mittelpunkt dieser Bestechung sind die brillianten Texte, die in fescher Queens of the Stone Age-Manier gut und gern geflüstert, gejault und vorallem geraunzt werden. Erschreckenderweise sind die guten Songs auch gegen gemeine Stichproben gewappnet, also kann sich der Gelegenheitshörer durchaus flott anstecken. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch wohlgemerkt bei den größten Nummern wie If I Had A Tail und The Vampyre Of  Time And Memory am höchsten. Die Single My God Is The Sun ist zudem nicht schlecht gewählt, ebenso macht das Musikvideo etwas her, doch das war sowieso nie die Sorge der Truppe.
Schlusslicht und Namensgeber für das sechste Studioalbum der Amerikaner ist in seiner tragischen Idylle nur das entspannende, abgerundete Tüpfelchen auf dem I.

Die berauschende Stimmung von so einem Hard Rock-Album ist unbeschreiblich fleischig und mit vollen Ernst kann ich sagen, dass ich nicht erwartet hatte, so bald wieder von einem harten Stück Rockmusik begeistert zu sein. Unterm Strich hat sich meine Hartnäckigkeit bei QOTSA bezahlt gemacht (nicht zuletzt bei der Band selbst).

Mindestens reinhören sollte drin sein. So leicht machen es einem die Herren eventuell nie wieder, sie zu empfehlen.

StrawHat
(hat an der Y-Schreibweise von Vampir gefallen gefunden)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Keep Your Eyes Peeled
02 I Sat By The Ocean
03 The Vampyre Of Time And Memory
04 If I Had A Tail
05 My God Is The Sun
06 Kalopsia
07 Fairweather Friends
08 Smooth Sailing
09 I Appear Missing
10 ...Like Clockwork

Freitag, 17. Mai 2013

1.7.4 Daft Punk - Random Access Memories

 
8.8/10.0

So lange auf ein weiteres Werk warten zu müssen, ist pure Tortur. Ich erinnere mich an viele Punkte in den letzten 8 Jahren, an denen ich mir fast nichts sehnlicher wünschte, als ein neues Studioalbum von Daft Punk in den Händen halten zu können.
Das ist reichlich Zeit um sich alle möglichen Werke und Fortsetzungen auszumalen. Als treuer Fan denkt man irgendwann, den Genius vollkommen zu verstehen und ein architektonisches Gesamtkunstwerk in den rauf- und runtergehörten Alben zu erkennen, die Struktur der großen Hits und der anstrengenden Lückenfüllerpassagen bis zur Ekstase zu genießen. Als begeisterter Hörer und Verfolger des Duos wird man in den unzähligen Sessions mit Homework, Discovery und Human After All eins mit dem Groove und der unaussprechlichen Dynamik der Roboter. Sie bieten begleitende Tanzmusik, hörbare Emotion zu allen Lebenslagen. Wer von Daft Punk mitgerissen wird, wandelt in einem atemberaubenden positiven wie negativen wie neutralen musikalischen Strom.
Und ist zu irgendeinem Zeitpunkt mit brutaler Wartezeit auf Lebenszeichen konfrontiert.

Jetzt gehen wir auf Sommer 2013 zu und mit tatkräftiger Hilfe musikalischer Größen wie dem fleischgewordenen Discoriff Nile Rodgers, Allroundlegende Paul Williams oder Strokes-Krachstimme Julian Casablancas (u.v.a.) wirkt die jahrelange Daft Punk-Minimalportionierung (der TRON: Legacy O.S.T. kam mit diversen Beigeschmäckern) wie ein schrecklicher Albtraum, denn Random Access Memories ist zur Abwechslung kein Hoax, kein Gerücht und kein fankonstruierter Mutmacher auf YouTube. Das Disco-Schiff ist tatsächlich existent und vor offiziellem Release über die (mittlerweile mediale pfui-bäh) Amazon-Autobahn in meiner Anlage gelandet und hat mich gleichermaßen begeistert wie gerührt. Mission accomplie, messieurs.

Die angekündigte Wiederauferstehung des Disco-Genres ist mit allen gehaltenen Versprechen eingetreten, stimmige Instrumente schaukeln in diesem Abendfüller vor sich hin. Hört man es voll aufgedreht, bewegen sich Becken und Beine wie von alleine (reimt sich), gibt man sich die Kopfhörer und schließt die Augen, sieht man Farben und imaginäre Filmchen, gemischt mit Erinnerungen und Gedankenwelten. Und der Musikgott schütze euch, wenn ihr Selbstzweifel und Liebeskummer mit euch rumschleppt, denn die Herren packen mit The Game of Love und Within Geschütze aus, die nicht spurlos an euch vorrübergehen werden.
Und wir reden hier vom Herzstück dieses Werks - dem unaufhaltsamen Emotionspusher, der von Track zu Track umspringt und euch mit Facetten wie Biografie, Musical und Raketenlärm bearbeitet.
Diese Stimulation findet abwechslungsreich aktiv wie passiv statt, denn tatsächlich ist auf dieser LP viel Begleitmusik enthalten. Für mich ein unsterbliches wohl-klingendes Mischmasch, mit perfekt positionierten Gaspedalen und geschmeidigen Bremsen, extremen Ohrwürmern und der Reise zum Inbegriff des Funk.

Wohl-klingend könnte der Knackpunkt für viele sein, denn wer sperrigen Robotersound (wie zum Großteil auf Human After All enthalten) sucht, wird hier genausowenig fündig wie die Jäger nach Tanzekstasen der Extraklasse (Alive 2007). Es klingt nach Daft Punk, aber handzahmer, schmeichelnder, ermutigender. Kein Gutes Beispiel für diese Aussage mag das wechselhafte Touch sein, durch dessen interessant in Szene gesetzte Anfangsphase man erstmal durch muss, um den wichtigsten Eindruck von Random Access Memories zu gewinnen: Es lebt.
Und du tust gut daran, es mit dir mitleben zu lassen.

Wer sich also mit einer weiteren großspurigen Seite dieser Meister zurechtfinden möchte, greift bitte zu. Es ist eine der besten Scheiben der letzten Jahre und könnte zu einer wichtigen Eckfahne in diesem Jahrzehnt heranreifen, lässt man es wachsen und stopft allen Zweiflern die Mäuler. Wer sich angewidert wegdreht, trägt ein schwer - aber immerhin - heilbares Loch in seinem Musikgeschmack umher.

StrawHat
(got lucky)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Give Life back to Music 
02 The Game of Love
03 Giorgio by Moroder 
04 Within
05 Instant Crush
06 Lose yourself to Dance
07 Touch
08 Get Lucky
09 Beyond
10 Motherboard
11 Fragments of Time
12 Doin' it right
13 Contact

[Try the whole thing please]





Donnerstag, 31. Januar 2013

1.8.5. The Chemical Brothers - Don't Think

6.8/10.0

Wie hat die Welt auf eine Live-DVD von den zwei Manchester Urgesteinen gewartet! Don't Think beschreibt den ersten Konzertmitschnitt, den die Herren in ihrer Laufbahn offiziell veröffentlichen. Aufgezeichnet während des japanischen Fuji Rock Festivals, das große Finale ihrer Tour 2012, bieten sie eine psychedelische Achterbahn mit begeisternden Zwischenstopps auf den zahlreichen Alben, die von den Chemical Brothers in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht wurden.

Don't Think fühlt sich bei aller Liebe alles andere als üblich an. Die verschiedenen großzügig verwendeten Perspektiven lassen eine gut spürbare, garantiert beabsichtigte, Awkwardness aufkommen. Das japanische Publikum, sichtliche Langzeitfans inklusive, ist dem Feiern auch nach dem x-ten Bassdrop nicht müde.

Die Brothers machen ihren Job erwartungsgemäß ordentlich und kümmern sich um die ansprechende Abwechslung auf dieser knallenden Achterbahn.
Selbstredend sind die Mixes das A und O auf dieser Scheibe. Viele gehen unter (die schlichte Verwendung vom epischen Galvanize treibt mich zu Tränen), einige verwandeln sich in unsterbliche Gesangsblumen, die sich nur für wenige Minuten zur Sonne drehen. Glücklicherweise gelingt mit Another World und Horse Power ein gelungener Start in die Scheibe. Immerhin einer von wenigen echten Höhepunkten - denn selbst der Haupttitel Don't Think hält nicht den hohen Erwartungen stand.

Somit ist es wenig erstaunlich, dass sich der Höhepunkt in einem Mix aus Klassiker (Star Guitar) und Zugpferd des neuesten Studioalbums (Swoon) ergibt.
Die kurzlebigen Details erledigen auf diesem Album die Hauptarbeit. Die Tracklist bietet zwar ein breites Spektrum an Trackgiganten, aber die Überleitungen nutzen sie an vielen Stellen zu wenig.

Während die Projektions des fiesen Clowngesichts gegen Ende des Programms langsam Herrschaft über das Publikum ergreift (manche wundern sich sichtlich, ob sie nicht eingeschlafen und in einer skurrilen Farbtraumwelt wieder aufgewacht sind), merkt man den Chemical Brothers ihre Einstellung zu ihrem Geschäft an. Die Lust zur Provokation findet an wesentlichen Eckpunkten des Konzerts Platz und, mit dem langen Warten auf einen Konzertmitschnitt, natürlich eine Menge Abnehmer.

Im Endeffekt ist es egal, wie sie das Konzert schaukeln, welche Videos sie synchron auf der Leinwand zeigen und wie sehr sie den stimmungsvollen Flow der ab und an enttäuschenden Mixes mit ergreifendem Lichtspektakel untermalen. Es sind offensichtlich zwei der größten Produzenten elektronischer Musik am Werk und wenn man die Augen schließt und sich einfach nur dem Klang von diesem einzigen Medley fügt, wird man Teil davon.
.. und Teil der Religion psychedelischer Clowns.

StrawHat
(gets himself high)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Another World / Do it again / Get yourself high
02 Horse Power / Chemical Beats
03 Swoon / Star Guitar
04 Three Little Birdies / Hey Boy Hey Girl
05 Don't Think / Out of Control / Setting Sun
06 Saturate
07 Believe
08 Escape Velocity / The Golden Path
09 Superflash
10 Leave Home / Galvanize
11 Block Rockin' Beats 
  
LINKS: 

DON'T THINK TRAILER: http://youtu.be/21UItm9UCr0 

Montag, 31. Dezember 2012

1.VI STRAWARDS 2012



Werte Leser und Interessierte,

an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt, kurz vor Jahreswechsel, präsentiere ich nun wieder die für mich herausragendsten Videospiele und musikalischen Darbietungen, die ich in diesem Jahr kennenlernen durfte.
In sechs Kategorien werden auf Strawpinion heute weitere Werke für die Ewigkeit ausgezeichnet.

Folgende Reglements sind zu beachten:

1. Ich vergebe dieses Jahr Preise an die Besten in sechs Kategorien: Videogame, Song, Music Video, Album, Live Performance, Artist.
2. Qualifiziert sind alle von mir im letzten Jahr erlebten Werke. Es spielt, trotz Erwähnung, weder Produktions-, noch Erscheinungsjahr oder Genre eine Rolle.
3. Jede Band darf nur einmal pro Kategorie nominiert werden. Ein Umstand, der im Falle von Videospiel-Produktionsfirmen in der Kategorie Best Game nicht eintritt. Maximal werden sechs Nominierungen pro Kategorie ausgesprochen.
4. In der Kategorie Live Performance zählen von mir selbst besuchte Konzerte, sowie Film- und Tonmitschnitte von Konzerten.
5. Es muss keine bereits erstellte Strawpinion zu Nominierungen bestehen.

Neu ist in diesem Jahr die ausdrückliche Erwähnung der Zweit- und Drittplatzierten, die sich auf diese Position immerhin aus maximal sechs Teilnehmern pro Kategorie durchsetzen konnten.

Diese Dinge gesagt, widmen wir uns jetzt der Hauptveranstaltung. Ich wünsche viel Neugier.

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Wir beginnen mit dem diesjährigen SONG OF SPRING, der in diesem Jahr durch die Nominierung von sechs Kandidaten, die alle ein charismatisches Eigenleben ihr eigen nennen können, den härtesten Wettbewerb gab. Dass ich diesen Track kenne, habe ich eigentlich bloß dem Film Drive zu verdanken, der mich u.a. bewegte und mit neuen Ohrwürmern beglückte. Trotz der starken Konkurrenz kann ich nun also folgenden Link präsentieren, der euch zum Strawpinion-Frühlingslied 2012 führt: 


Erneut erklimmt also ein elektronischer Track den Frühlingsthron. Entwickelt sich da eine Tradition? Wir lassen uns von diesem Sound tragen und sehen uns den ersten Sieger an diesem 31. Dezember an. Lasst uns mit einer unglaublich wichtigen Kategorie starten, die in diesem Jahr schneller als üblich entschieden wurde. Denn obwohl ich mehr als ein Konzert besuchte und einige DVDs durchgesehen habe, kristallisierte sich schon im Frühjahr ein wahrscheinlicher Sieger heraus. Eine flippige Konzert-Party, die frech und laut und endlos war, da sie danach im Kopf weiterging. Highlights gab es an jenem Abend einige, doch die größte Wucht, den kräftigsten Eindruck hinterließ ein Song zu Beginn des Konzerts. Er war stark genug die beste Live-Band Deutschlands zu schlagen, und Künstler mit deutlich höherem Budget auf untere Plätze zu verbannen und für hier nun mit einem Straward seine eigene erfolgreiche Geschiche zu schreiben.


LIVE PERFORMANCE OF THE YEAR
(LIVE IN ERLANGEN, 2012)

2nd Place:  Seeed - Molotov (Live in Nürnberg, 2012)
3rd Place: Deadmau5 - Some Chords/Tiny Dancer (Live in Toronto, 2011)
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Wir bleiben in der Musik und kümmern uns um die Kategorie Musikvideo. 2012 war trotz enttäuschender musikalischer Neuerscheinungen immerhin mit starken Clips gesegnet. Clips, die in meinem Ranking über eine lange Zeit gleichauf lagen, doch in Anbetracht der Tatsache, wie oft ich das Gewinnervideo gesehen habe, muss ich mich zur Ehrlichkeit zwingen.

MUSIC VIDEO OF THE YEAR
 


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Zeit für eine weitere Runde Musik. SONG OF SUMMER ist an der Reihe, und wird präsentiert von einer Newcomer-Band (naja, zumindest für mich). Sie läuteten mit diesem kräftigen Rocksong schon im Juni den Sommer ein, schlugen Billy Joel und Mando Diao um Längen.

 Nun geht's weiter mit dem besten Album in diesem Jahr. Viel Auswahl gab es nicht, da das meiste Zeug heuer maximal fürs gelegentliche Hören gut war. Darum kehren wir zum Sieger auch an den Anfang des Jahres zurück, denn es war eines der ersten behandelten Themen auf Strawpinion.
Das Album wurde immerhin vielerorts im letzten Jahr zur besten Rockscheibe gekürt. Daher ist es auch keine Überraschung, dass es ein Jahr darauf auch bei den Strawards einschlägt.

ALBUM OF THE YEAR
FOO FIGHTERS - WASTING LIGHT

 2nd Place: Mando Diao - Ode to Ochrasy
3rd Place: The Black Keys - El Camino

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Von knallendem E-Gitarrensound zu überwältigendem Gefetze auf der Konsole. Das Spiel des  Jahres ist wieder ein aktuelles, und es blieb größtenteils tatsächlich konkurrenzlos. Nach meinem Einstieg in Steam hätte man mit einem überragendem PC-Spiel rechnen können, doch die PS3 hatte dann doch die Nase vorn.

GAME OF THE YEAR
BORDERLANDS 2
 
2nd Place: Rayman Origins
3rd Place: Back to the Future: The Game
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SONG OF FALL war eine weitere schwere Entscheidung in diesem Jahr, denn ein vielseitiger Pool an Künstlern hatte sich über die schwierigen Herbsttage gesammelt. Überraschenderweise setzte sich ein Außenseiter durch. Man kann fast davon sprechen, dass sich der Rest gegenseitig ausschaltete und das unscheinbarste Lied über blieb, das in seiner Attraktivität die Eindrücke der Jahreszeit passend vertritt.

 
Langsam wird's ernst und eng mit den Awards aber die Wichtigsten stehen unmittelbar bevor. Best Song ist retrospektiv eine unglaublich wichtige Entscheidung für mich, denn ich führe strikt Buch über sowas. Kann die übermächtige Gewalt der Arctic Monkeys 2011 mit interessantem Material ausgekontert werden? Selbstverständlich werden die vier SONGS OF THE SEASON in diese umkämpfte Kategorie miteinbezogen. Doch haben sie das Potenzial ein ganzes Jahr anzuführen?
Nein.
Übertroffen wurde der gesamte Verein von einem Kanadier, der trotz bestenfalls mittelmäßiger Alben in tatsächlich jeder Season für den Titel nominiert war, und keinen einzigen gewann. Zu recht. Doch was Inspiration und Einfluss anbelangt, so war dieses eine Lied der erste Kubikmeter Lawine, der meine neue Leidenschaft in diesem Jahr ins Rollen brachte.

SONG OF THE YEAR
DEADMAU5 FEAT. ROB SWIRE - GHOSTS'N'STUFF

2nd Place: Arctic Monkeys - R U Mine?
3rd Place: Kavinsky feat. Lovefoxxx - Nightcall

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Womit wir auch schon bei der letzten Auszeichnung 2012 angelangt wären. Der eindeutigen Königsdiziplin, dem Künstler des Jahres. Und auweia, stand da ein Haufen zur Auswahl. Da mich im Zwölfer-Jahr viele einzelne Gruppen beschäftigten statt größtenteils einer einzigen wie im letzten Jahr, wars zeitweise ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen, dass schließlich durch die anhaltende Klangqualität entschieden wurde. Ich kann förmlich nicht auf neues Material von ihnen warten und hoffe, dass beim nächsten Mal wieder auf Englisch gesungen wird, denn ihre Muttersprache liegt mir leider gar nicht.

ARTIST OF THE YEAR
MANDO DIAO
 

2nd Place: The Black Keys
3rd Place: Deadmau5

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Selbstverständlich darf ich wieder darum bitten, den Gewinnern und Nominierten dieser Strawards einen Besuch abzustatten um den Künstlern die Möglichkeit zu geben, euch auch zu beeindrucken. Keiner der hier aufgeführten Namen steht ohne Grund dort wo er steht.

Nun bleibt mir nichts mehr übrig als euch mit dem SONG OF WINTER in das neue Jahr zu verabschieden. Fast ohne ernsthafte Rivalen, konnte sich ein alter Bekannter durchsetzen, dessen Soloprojekte auch in Zukunft sicher nicht unbeachtet bleiben werden. Spätestens hier wird darüber berichtet.
Ich hoffe ihr habt euch gut unterhalten und seid im nächsten Jahr bei Strawpinion wieder mit dabei. Es wird weiter fleißig pinioned, das kann ich auf jeden Fall versprechen.


Lasst die Korken knallen!

StrawHat
(ist großer Fan von Amais Straward. Vielen Dank!)


Donnerstag, 1. November 2012

2.53 BORDERLANDS 2 (PS3)

9.4/10.0

Hier kommt jedwedes gut gemeinte Anschnallen Sekunden zu spät! Ihr seht dieses Cover und werdet in die Welt der Psychos, Waffen und schlechter Ärzte hineingesogen, mit Munition versehen und ins Feld geschickt! Borderlands 2 wird seinem Hype und seinem Ruf von der ersten Sekunde an gerecht, wirft einen Berg an großzügigen Upgrades und Individualitäten auf das spaßversprechende Gameplay des Vorgängers.

Wieder einmal im anbetungswürdigen Co-Op ging es die letzten Wochen durch den Haufen Sidequests und dem dazu beinahe zu minimalen Storyverlauf, der keinen Hehl um das lächerliche Schicksal des Planeten Pandora macht. Handsome Jack, Vorstand des Waffentechnologiemegakonzerns Hyperion, nutzte die dramatischen Ergebnisse der Entscheidungsschlacht in Borderlands für seine Machtergreifung und verpflichtet als selbsternannter Diktator alle freiwilligen, wie unfreiwilligen, Soldaten für oder absichtlich gegen seine Zwecke um höchstmöglichen Profit daraus zu schlagen und den verbotenen Vault und dessen erneute Öffnung für sich zu erringen.
Die paar talentierten frisch rekrutierten Vault Hunter haben im Namen ihrer eigentlichen Helden sozusagen von vornherein eine Rechnung offen. Und sollte es ihnen zu diesem Zeitpunkt egal sein, so findet Jack sicher einen Weg dem Spieler über Funk auf die Nerven zu gehen. Für ihn existiert immer so ein Weg.

Mit all den persönlichen Extras bietet sich für jeden spielbaren Charakter eine Wucht an Kampfkraft. Sei es die Turret für den Commander oder die paralysierende Kraft der Siren - einzuheizen hat in einem Ballerspiel noch nie so Spaß gemacht.
Der intensive Ego-Shooter-Spielspaß in Borderlands 2 ist nahezu überfordernd aggressiv, gleichzeitig unterhaltsame schwarze Komödie und andauernder Konzentrationstest in einem fortlaufenden Trip. Die geschriebenen Superlative eines Videospiels setzen auf sämtliche neu entdeckte Frechheiten und brillant eingesetzte Memes ständig einen drauf. Du denkst, du hast schon allen möglichen Arten von Gestörten auf dieser Welt eine explodierende Kugel in den Kopf gejagt? Hier kommt ein hochgelevelter Mutant aus mehreren Feinden von links, und ein zum x-ten Male verpuppter Superkäfer von rechts und beweist dir, was all deine überlebten Abenteuer wert sind: Nichts.
Denn du ruhst dich auf deinen Badass-Ranks und deinen Errungenschaften aus und versuchst dich an Shotguns, die in die Luft fliegen, wenn sie nachgeladen werden müssen und kein Gedanke vergeht daran, dass irgendwas vor dir stehen könnte, das doch noch stärker ist als du!
Borderlands 2 fördert diesen Drang sich zu verändern, sich weiter zu entwickeln und Achievements freizuschalten, extrem. Und wenn du dann doch noch am Zahnfleisch kriechst und Blutrache schwörst, umso mehr.

Die verbesserte Vielzahl an Gegnern - tatsächliches Kanonenfutter, das bei all den Unterschiedlichkeiten auch noch sichtbare Persönlichkeiten und Spaß an den bösen Taten besitzt, lässt keine ruhige Sekunde zu. Sie besitzen fiese Tricks und noch fiesere Taktiken um dich ohne möglichen Rewind sitzen zu lassen. Schimpfende Midgets, Kontrolle verlierende Bruiser, Flug der Walküre-singende Buzzards - jeder von ihnen eine geradezu tötliche Gefahr und mit der Möglichkeit, dich mit dem akzeptierten Tod zum glücklichsten Zocker zu machen.

Neben all den makabren Charakteren in diesem Spiel sind natürlich die gefühlt endlos variablen Waffen der Mittelpunkt. Mehrere Millionen Möglichkeiten an Pistols, Sniper, Shotguns, Rocket Launcher, Grenades oder Assault Rifles mit unterschiedlicher Zielgenauigkeit, Schussstärke und vielem mehr, sind überall kauf- oder auffindbar. Du musst auf dein Glück bauen um dir starkes Material anzueignen.
Na gut, ab und zu bekommst du auch mal was Gutes geschenkt ...
Du kannst all dein Geld an Automaten verspielen, in der Hoffung plötzlich mit dem Hauptgewinn dazustehen. Du wirst deine eigenen Entscheidungen in Clanwars treffen und dich für die Wahl deiner Gegner verantworten. Und du musst Claptraps Launen ertragen, ob du willst oder nicht.

Kehrseiten findet man in Borderlands 2 lediglich gut gelaunt auf, daher will man diesem lauten Spiel auch kaum Kontras andichten.
Wie erwähnt werden Gelegenheitsspieler kaum angesprochen. Die Geschichte ist in wenigen Sessions schaffbar, sollte man auf all die tollen Nebensächlichkeiten verzichten wollen (wovon man nicht ausgehen sollte).
Die Steuerung der Autos lässt zu wünschen übrig. Man lenkt die Dinger quasi mit der Kamera und muss stets auf der Hut sein nicht in seinen Tod zu fahren.
Die Läden verkaufen ab einem gewissen Zeitpunkt fast nurnoch Müll, was einen zu teuren Einkäufen an anderen Stellen, oder Stoßgebeten beim Looten der feindlichen Lager zwingt.

Dank der Vielzahl an wahrlich bemerkenswert merkwürdigen Begegnungen mit Persönlichkeiten, die Verstand und Vernunft schon vorgestern über Bord geworfen haben, sieht man diese zwickenden Nervtötereien aber kaum. Alles dreht sich um Critical Hits und Badass-Ranks. Du kannst gar nicht anders als dieses Spiel und all seine verrückten Ideen und genialen (genialen!) Dialoge und Auseinandersetzungen zu lieben.

Borderlands 2 zeigt all den peinlich mittelmäßigen Genre-Cousins wie es zu funktionieren hat. Kein Wunder, dass an der Fortsetzung gearbeitet wird - es ist der bis jetzt beste Ego-Shooter. Die schönste Blutparty, die einem einfallen könnte.

StrawHat
(Perfect double rainbow)
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BORDERLANDS 2 TRAILER: http://youtu.be/nicvyhrmTDs