Mittwoch, 13. November 2013

2.58 BATMAN: ARKHAM ORIGINS (PS3)

6.5/10.0

Mit neuen verantwortlichen Entwicklern und Schreibern, dafür aber wiederverwerteten Maps und Ideen, geht der dritte Arkham-Titel an den PS3-Start und schlachtet das facettenreiche Villain-Feuerwerk in diesem Prequel bis an die Grenzen des Blödsinns aus. Mit wenig bis gar keinen befriedigenden Umsetzungen wurde dafür gesorgt, dem anständigen und besonderen Arkham Asylum-Denkmal noch ein paar verunstaltende Graffitis hinzuzufügen.

Aber beginnen wir mit der Fledermaus in der Höhle:
Langweiler-Crimeboss Black Mask setzt ein Kopfgeld auf den recht frisch im Geschäft wirkenden Batman aus, der in den bisherigen 2 Jahren zwar Gothams Abschaum eingrenzen, aber nicht auslöschen konnte. Das Ergebnis ist eine Weihnacht, die mehr Terror und Gewalt bereithält, als seine bisherigen Schlachten zusammen. Zahlreiche Feinde planen Fallen und Attentate, um den dunklen Ritter zu brechen und von den Fersen der Geld-bringenden illegalen Geschäfte ein für allemal fern zu halten.
In dieser einen verschneiten Dezembernacht stößt der Protagonist also auf eine Vielzahl plötzlich in Erscheinung tretender Gegenspieler, um ihnen nacheinander die Kerze auszupusten.
Was dabei deutlich wird: Die Gleichheit mit Arkham City wird nach der Geographie um einen weiteren Punkt verdeutlicht: Die Story.

Mit brachialer Gewalt werden Gegner verheizt und zwischendrin als minimale Subquests fallen gelassen, blitzschnell gezeigt und ohne wichtigen Beitrag wieder verworfen. Das gut gemeinte Detektivspiel der Verbrechensrekonstruktion lässt einen weder besonders gescheit, noch wahnsinnig zufrieden zurück und der Stealth-Modus findet sich deutlich einfacher und mit dem Kopf durch die Wand lösbarer wiedergeboren.
Es ist Wischiwaschi-Batman. Bloß weil man Spielzeuge an den Kopf geworfen bekommt, heißt es nicht, dass man damit viel anfangen kann. Es bleibt bloß ein sinnloser Bluterguss zurück.

Von Bugs und Glitches wurde ich mit der PS3-Version immerhin eher verschont. Ab und zu zerschoss es den Sound, die flüssige Grafik, oder die Ausrüstung tat gar nicht wie geheißen. Das Weiterkommen in der an und für sich ergreifenden Batman-Atmosphäre wurde hingegen nie riskiert.
Die fehlende Nachhaltigkeit der gelösten Fälle und zu Boden gebrachten Feinde lässt das Spiel unterm Strich fahl und langweiliger wirken, als es während des Spiels tatsächlich war. Wie in den vorherigen Spielen wurden die kreativen Gadgets gut genutzt um die sicher viel zu stark wiederholenden Schlägereien hinter sich zu bringen oder Collectibles zu erreichen. Es ist eben der fehlende Fortschritt, der diese Spielerfahrung zum Gegenteil eines Must-Plays mutieren lässt.
Alles schon gehabt.

Für den nächsten Titel, einem Arkham World etwa, fielen mir zahlreiche Wunschziele ein um dem Preis des Spiels gerecht zu werden: Würdevollerer Umgang mit den starken Charactern aus dem Franchise etwa, oder sie in weniger repetitiven Fights bezwingen zu müssen. Neue und ansehnlichere Maps oder geschickter eingefädelte Storywandlungen sind selbstverständlich auch vorzuschlagen. Warum tritt Arkham auf der Stelle, wenn es doch so gute Ansätze hatte?

Beim nächsten Mal wird die Note mit Sicherheit nicht mehr durch die gute Synchronarbeit und Animation aus dem Schlamassel gezogen. Da will ich Entwicklung sehen.

StrawHat
(vom neuen Joker positiv überrascht)
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LINK:

BATMAN: ARKHAM ORIGINS E3 GAMEPLAY-TRAILER: http://youtu.be/i6AoJB54Y2o

Samstag, 9. November 2013

2.57 OUTLAST (PC)

8.0/10.0

Was man so über das Horror-Game des Jahres hört, ist wahr. Es stresst, es erschreckt, es widert an.
In FP eine Kamera zu tragen und die zuerst bloß beunruhigenden, später verstörenden, Erlebnisse im Mount Massive Asylum, einer beispiellos dargestellten Klischee-Psychatrie in den Bergen von Colorado, aufzuzeichnen, sowie das betont unangenehm dunkle Innenleben mit der Nachtsichtfunktion zu durchleuchten, mutet außerdem als verflucht gute Idee an, überzeugt noch mehr durch unkomplizierte und gelungene Umsetzung.

Die Szenen, die auf Miles Upshurs Reise durch die schwer mitgenommene Anstalt am Meisten verstören, sind jedoch nicht die Blutigsten (wenn auch graphisch mitreißend), sondern die geglückten Jumpscares - da selber ausgelöst, die stressige Flucht vor Insaßen und die noch stressigere Suche nach Versteckmöglichkeiten.
Dem Trend, immer einen Spind oder ein Bett zur Verfügung zu wissen, in oder unter dem man sich in Sicherheit bringen kann, wirst du während der knappen 20 Stunden Spielzeit den Entwicklern sei Dank nicht müde.
Auch wenn Feinde ab einem gewissen Zeitpunkt leicht ihren äußerlichen Schrecken verlieren und die A.I. nicht selten durchschaubar wird, die Verblüffung, wie gründlich sie manchmal nach dir suchen, ist ein weiteres großes Pro dieses Titels. Das Entkommen wird dir nicht zu leicht gemacht.

Vor dem Betreten des Gebäudes wird in atemberaubender Grafik schon impliziert, dass du den Laden auf den Kopf stellen wirst müssen. Die zähe Suche nach Antworten für den chaotischen Zustand der Anstalt führt einen in sämtliche Stockwerke, sowie - wie kann es auch anders sein - die Abwasserkanäle. Gejagt von einem fies aussehenden Fleischberg, scheinen bloß die rasch gekritzelten Notizen deinen Protagonisten bei Sinnen zu halten. Die Atmosphäre, sei es ein verlassener Schauraum, ein bedrückendes Kanalgemäuer oder das alles erschwerende Sauwetter, droht Miles ständig zu erschlagen. Als er dann noch gefangen genommen, und zum Teil dieses erschreckend schiefgelaufenen Experiments gemacht wird, droht ihm der Verstand zu versagen und Urinstinkte das Kommando übernehmen zu lassen.

Stimmungsmäßig haben die kreativen Köpfe das Maximum herausgeholt. Spiele mit Licht und Schatten, Erwartung und Furcht, den nicht vorhandenen Optionen sich zu Wehr zu setzen, aber wiederum ausgebauten Möglichkeiten seine Umgebung zu checken (um Ecken zu gucken und beim Laufen hinter sich zu schauen) ist nichts weiter als anerkennender Applaus hinzuzufügen. Outlast wird binnen Stunden schnell zum Paradebeispiel für intelligenten Horror in Videospielen, zum mehr als leistbaren Preis.
Antreibende Panik, irgendwann ohne Batterien für die Nachtsicht deiner Kamera in der Finsternis zu stehen, lässt einen zügig voranschreiten, fest zu hängen passiert dank der - durch erlernte Vorsicht feststellbar - übersichtlichen Patterns der Gegner lediglich kaum bis gar nicht.

Was das Spiel an einer Topwertung jedoch vorbeisausen lässt, ist die Offensichtlichkeit des letzten Stücks, die im Nachhinein sehr unspektakulär dargestellten letzten Szenerien, schließlich verdichtet durch ein Rohrkrepierer-Ende, das den üblichen drei Vierteln des Games nicht würdig wird.

Outlast ist als ein mutiges Stück Horrorkunst zu sehen, behandeln und kaufen. Das Geheimnis zufriedenstellender Erfolge scheinen immer weniger die abgenutzten Franchises zu sein, stattdessen aber die hin und wieder aufkommende Verdichtung mehrerer genialer Entwickler mit Arbeitsreferenzen aus vielen starken Spielen wie Assassin's Creed, Uncharted und Splinter Cell.

Bitte spätestens auf der PS4 zuzugreifen.

StrawHat
(offensichtlich mit dem Finale unzufrieden)
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LINKS:
  
OUTLAST TRAILER: http://youtu.be/F80Wv66GYSs

Sonntag, 6. Oktober 2013

1.39.2 James Blake - Overgrown

7.3/10.0

30 Sekunden in Overgrown, dem Album, sind zugleich 30 Sekunden im gleichnamigen Titeltrack, der das Songensemble des zweiten Longplayers mit fast fremdartiger Betonung der Lyrics anführt.
And I want you to know / I took it with me / And when things are thrown away like the are daily mündet in einen minimal hörbaren Gap, nahe einem akustischen Cliffhanger, der jedoch einen Reim darauf empfängt, bevor ein solcher Bedarf überhaupt ausgesprochen wurde: Time passes and the constants stay.
Es sind nur die ersten Sekunden des Songs, und somit des Albums, doch Mr. Blake öffnet mit seiner gehauchten, geschmeidigen Handschrift die Tür für Emotionsmonster, Sorgendämonen und Ohrwürmer und man kann nichts anderes unternehmen, als paralysiert dabei zuzuhören und zu staunen, wie diese orchestral ihre Plätze einnehmen, Melancholie die Überhand gewinnt und binnen 5 Minuten eine alles andere als alltägliche Bühne aufgebaut wird, mit den Gedankenblasen des 25-jährigen im zentralen Scheinwerferlicht.

Wie schon am weltweit bejubelten Vorgänger sprechen Stille und minimalistische elektronische Effekte ganze Bände in Blakes Kompositionen. Die geheulten Worte spulen sich oftmals undeutlich im Vordergrund herunter, wandern dann freiwillig ab und mauern die kommenden Höhepunkte der Songs gesanglich ein, sodass ein stabiles Fenster in den tragenden Sound entsteht.
Life Round Here und Take A Fall For Me, wenn auch mit - für Blakes Verhältnisse - beachtlicher Dynamik ausgestattet, wabern schmerzhafterweise gerademal als zeitvertreibende Übergänge im klanglichen Irragarten um ihr Leben, wenn die darauf folgende Singleauskopplung seine Zeit kommen sieht. Der liebevoll geloopte Chorus der anderen Songs - davor und danach - greift nämlich erst nach mehreren Anläufen, da Retrograde viel zu hell erstrahlt und sich selbstbewusst inhaltlich wie musikalisch zu den befriedigensten Werken des Londoners rechnet.

Was folgt, sind beruhigend soullastige Pianoballaden (DLM), erschreckend punktuelle Dubstepnachwehen (Digital Lion) und launische Experimente (Voyeur), die mit dem gefährlichen Schwert der Reizüberflutung spielen und diesem schwierigen Album die Rolle eines Motors zusprechen, das im Ganzen unter keinen Umständen im Stillstand gehört werden darf.
Reiht sich Overgrown also deswegen unter die zahllosen Beispielalben der introvertierten Laufmusik?
Bloß bedingt, denn gegen Ende und fast unterm Strich ist es wieder Herbsttag-, bzw. Hintergrundsound. Ihm fehlt die gezielte Irritation des Vorgängers, hauptsächlich die freche Verwendung von Breakbeats. Rap mag im Gesamtbild nicht deplatziert wirken, James Blakes Interesse an der entstandenen Symbiose patzt jedoch etwas uneingeladen in den ruhigen Abend. Die Wahl der Prediger versöhnt einen dafür mit dem entstandenen Umstand immerhin zügig, RZAs bodenständiger Style hielt den Experiment-orientierten Augen von Kanye West, einem Zeitgenossen des Künstlers zur Zeit der Produktion, wacker stand.

Ein inspirierendes Follow-up, ein gelungenes, beruhigendes Album ist ihm da gelungen. Zweifellos ist Blakes Gesang für alle, die nicht sofort damit können, gewöhnungsbedürftig. Aber bei all den winselnden Popplärrern, die man sich unfreiwillig täglich geben muss, stechen die stets mit Bedacht und Nachdruck aufgenommenen Vocals spürbar heilsam hervor. Auf den Rest macht man sich bequem zeitnah einen Reim, denn Bedarf hat man nach einzelnen Kostproben sowieso.

StrawHat
(wants you to know)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Overgrown
02 I Am Sold
03 Life Round Here
04 Take A Fall For Me
05 Retrograde
06 DLM
07 Digital Lion
08 Voyeur
09 To The East
10  Our Love Comes Back
 

Freitag, 27. September 2013

IX : 3RD BIRTHDAY


Die Zuschaltungen der Vorjahre haben sich im dritten Durchgang verdoppelt und ich möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern herzlich bedanken, dass sie hin und wieder reinschauen um sich neue Strawpinions rein zu ziehen und sich ein faires Rating bzw. eine brauchbare Bewertung von Musikern, Alben und Spielen abzuholen.
Die Vorstellung, wie Leute da sitzen und lesen, motiviert mich.
Und ich bin noch lange nicht fertig.

 So stay pinioned!

StrawHat
(pustet in de Partytröte: PFFRRRRT!!!)

Montag, 23. September 2013

1.40 Nujabes


It's funny how the music put times in perspective /
Add a soundtrack to your life and perfect it /
Whenever you are feeling blue keep walking and we can get far /
Wherever you are.*

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Als Seba Jun kurz nach seinem 36. Geburtstag verstarb, ging ein Raunen durch das Internet. R.I.P.-Bekundungen in Foren, Musikstreamseiten und -portalen verdeutlichten einen menschlichen Verlust, dessen Berichterstattung man in Nachrichtensendungen auf der ganzen Welt fast unbewusst vermisste. Dies lag zum einen daran, dass es nie wirklich etwas publizierenswertes über den Tokyoter Produzenten und DJ zu berichten gab, außer die Entwicklung einer neuen Kollaboration oder der Erscheinung einer weiteren Scheibe. Und zum anderen daran, dass das Internet als unersetzbares Medium der Daten- und Informationsübertragung unter anderem dafür sorgte, dass wohl die Musik keines Künstlers so nachdrücklich und betont empfohlen, verlinkt und geschenkt wurde und wird, wie die einzigartigen Beats von Nujabes.


1 - Beat Laments The World
F.I.L.O., I'd rather do nothing else /
If I follow my heart to the last pulse /
Like the last man down in the towering inferno of Babylon /
First in, last out.**
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Das mag eine äußerst subjektive Auffassung sein - eine, mit der ich mich sogar aus dem Fenster lehne. Gedacht ist es als Ausrufezeichen, das auf dieses viel zu kleine Lebenswerk des Japaners hinweisen soll. Eine große Bitte gar, sich seinen stimmungsbeeinflussenden, menschenverbindenden Tracks zu widmen und zeitnah ein Bild von seiner Musik zu machen.
Was sein rhythmische Down- wie Uptempo-Melodien so faszinierend macht, ist nämlich u.a. die zwirbelnde Jazz-Komponente, die ein zugleich erstaunlich introvertiertes wie forsches, verspieltes Feuerwerk aus dem Datenträger schießen lässt. Die erzählten Rhymes der vielzähligen Jamgäste spielen sich dazu wie aufgezeichnet ab. Man sieht Meisterwerke vor geschlossenem Auge, obwohl es nur die Musik ist, die man real wahrnimmt. Nujabes' abwechslungsreicher Soundspielplatz bietet zeit- und zornvertreibende Attraktionen, die mal instrumental, mal nicht, Raum zum Durchatmen geben. Es putzt das von Druck und Anspannung überlastete Hirn durch, ohne gedankenlos und erfolgsorientiert zu wirken. Gleichzeitig funktionieren die treibenden Beats aber mit einem Ohr lesbar und unkompliziert.
Es ist Jazz Hop-Entspannungsmusik.

2 - Music Is Mine
A freelancer / A battlecry of a hawk make a dove fly and a tear dry /
Wonder why a lone wolf don't run with a clan /
Only trust your instincts and be one with the plan.***

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In den wenigen Jahren, in denen Nujabes aktiv war, wurde also immerhin viel Nachhaltiges geschaffen. Die freundschaftlichen Sessions mit CYNE's Cise Starr, einem einstmaligem Undergroundtalent von der amerikanischen Ostküste, und selbstverständlich den ortsnahen Kompositionen mit Shing02, einem erklärten Freund des Künstlers, da vom selben Fach, mündeten in das weltweit als Meisterwerk angesehene erste Studioalbum Metaphorical Music. Diese über eine Stunde laufende Zusammentragung einzelner vielschichtiger Hip-Hop-Experimente legte den Grundstein für die spätere Anerkennung seiner magischen Tracks.
Richtig interessant wurde es für aufmerksame Ohren jedoch erst mit dem viel gelobten Battlecry, dem legendären Opening der zweischneidigen schwarzen Animekomödie Samurai Champloo, deren 26 Episoden mit Nujabes' unvergleichlichem Tonensemble, sowie den abgeklärten Vocals von Shing02 eingeleitet wurden. Fast vergaß man, dass man die Sendung für die gute Show sah, und nicht für den musikalischen Beitrag.

3 - Spiritual State
Throw your hands up in the sky /
Wave around from side to side /
we about to get fly.****
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Doch Nujabes Lebenswerk ist auch nur mit den durchwegs liebevoll eingebundenen Instrumenten zusammen zu fassen, die auf den weiteren Alben stärker in den Mittelpunkt gerückt wurden. Geglückte Piano-Loops schmiegen sich zärtlich an eine Reihe klassischer Instrumente und den beruhigenden Hip-Hop-Pulsschlag an und eine glückselige Klangwolke tröstet einem das gebrochene Herz, über Jun Sebas tödlichen Unfall an einer tokyoter Autobahnausfahrt und das daraufhin lediglich posthum veröffentlichte dritte Studioalbum Spiritual State.
Der unnötige Tod eines so wertvollen (weil friedfertigen), talentierten menschlichen Wesens ist ein Anhaltspunkt für mich, dass kein Gott, sondern Chaos diese Welt überwacht. Es geht Hand in Hand mit der Erkenntnis wunderschöne, treibende, tragende und inspirierende Melodien zu erfahren, und der absoluten Vergänglichkeit, mit der man sich als lebender Mensch irgendwann befassen muss.
Wenigstens scheine ich für diese Gedanken nun einen passenden Soundtrack gefunden zu haben.

StrawHat
(tief)
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STRAWPINIONS:

Absolute Anspieltipps: Lady Brown, Luv (Sic) Part 3*, Kumomi, Beat Laments The World, F.I.L.O.**, Feather, Battlecry***, Latitude (Remix)****, Spiritual State, City Lights, World's End Rhapsody

LINKS: 

LIVE AT THE MODAL SOUL RELEASE PARTYhttp://youtu.be/hN_4l80sMYM 
NUJABES TRIBUTE SITE:  http://www.nujabes.org

Donnerstag, 12. September 2013

1.14.5 Arctic Monkeys - AM

7.6/10.0

Die Arctic Monkeys wissen was sie tun. Jeder Augenkontakt on stage zeugt von eingespieltem Verständnis, abgestimmtem Rhythmus, kumpelhaftem Flow. Alex Turners stramme Textwellen schlagen gegen die ebenso wohl überlegte wie gut durchgeführte Soundküste, bedeutend einer starken Flut in mystisch überlieferten Legenden biblischen Formats. Texte, die wie Unheil heißende brennende Zündschnuren ihren Weg ziehen, bei der kurzweiligen Berührung einer größeren Menge Schwarzpulver kurz an Kraft gewinnen, um sich schließlich doch geduldig dem über 40 Minuten-langen Weg zum Pulverfass am Ende der Spur zu widmen. Unglücklicherweise steht dort aber keines.

Es stellt sich aber natürlich die Frage, ob eine erfolgreiche Explosion überhaupt das Ziel war. Denn wenn man Interviews und Eindrücke der Mitwirkenden liest, so entsteht der Eindruck, dass eher die Reise des Albums das Ziel war, als die abschließende befriedigte Meinung über das neueste Werk der nordenglischen Band. Offenkundig eine spätnächtliche Reise, die viel mit sinnvoller Verwertung weiblicher Trophäen eines zögerlich nachwirkenden Streifzugs durch den Club bzw. die Bar zu tun hat.
Are you mine tomorrow / Or just mine tonight schnurrt Turner in seiner neu gefundenen, geschickt aufgesetzten Rolle mit der amerikanischen Souveränität eines Greasers. Und der Hörer kann der beeindruckten Lady nicht böse sein, sich auf dieses anzügliche Spiel einzulassen. Denn die Zündschnur brennt die Form eines hoffnungsvoll verlorenen Herzens nach, lässt Turners brutal romantische Metaphern glänzen wie den als Kulisse dienenden Sternenhimmel.

Zwischendurch erweckt eine pikant eingesetzte E-Gitarre dieses weitestgehend Ton-in-Ton gehaltene Werk zum Leben und lässt es in seinem dunklen Festsaal zufriedenstellend rotieren. Arabella ist ein Pulverfass-nahes Kunstwerk, das nicht nur den Höhepunkt der von Josh Homme verbrochenen Arctic Monkeys zu präsentieren hat, sondern auch die höchst talentierten Sounderben von - diesmal nicht so Bibel-gleichen - zentralenglischen Legenden.
Wer dann also auf halbem Wege die Idee hatte vom Gaspedal zu gehen und sich dem bestechend mitschunkelbaren Sound eines langsam aber unabstreitbar tatsächlich endenden Abschlussballs zu widmen, gehört verflucht.
Man hört diese zu ihren Anfängen so arschtretende, explosiv schnelle, geistreiche, laute Band nunmal nicht für 08/15-L'amourhadscher wie dem leider verzeihbaren No.1 Party Anthem und Mad Sounds und seinen schleimigen Ooh-La-La-Passagen, die der betanzten Momentaufnahme einer Rentnerparty gleichen.
Ich erhoffte mir von ihnen die  Musik zurück, die sich fast überschlägt, neu (er)findet und sich nicht in eine Ecke stellen und deuten lässt.

Aber die sich noch immer von Hommes wüstenamerikanischem Biss erholenden Künstler spülen das zirkulierende musikalische Gift des Ringhalsnatter-gleichen QOTSA-Frontmanns gar nicht erst heraus, sondern leben ihre Wunde, gehen den schon auf Humbug begonnenen und auf Suck it and See zum Tageslicht geführten Pfad bis zum perfektionierten spätnächtlichen Ende.
Ich kann den Zugpferden R U Mine? und Do I Wanna Know? keine Authentizitätspatzer vorwerfen, doch ihre tragende Dominanz macht es dem Rest des Albums schwer, Boden zu fassen und den in den Anfangstracks angekündigten Disziplinen gleich zu ziehen. Seien es Helders bzw. O'Malleys gehauchte Backvocals oder die trockenen, formulierten Riffs - jedwede entscheidende Sinnhaftigkeit der Scheibe findet man binnen den ersten pechschwarzen 3-4 Tracks, bzw. im versöhnlich zwielichtigen Abschluss mit I Wanna Be Yours.

Beim mehrmaligen Hören der Scheibe bin ich aus verschiedenen Gründen also den Tränen nahe. Denn erscheint mir der Rockmessias in der ersten Viertelstunde höchstpersönlich in Topform, so zeichnet sich beim relativ langsamen bzw. steifen Schwingen der fürchertlich kontrollierten Genialität der hochbegabten Rockband Arctic Monkeys eine Blasphemie ab, deren Fäden an den Fingern des nicht minder talentierten Josh Homme hängen, er seine vier Jahrhundertfänge wie im Höhepunkt vom Chancen zur Versöhnlichkeit vergebenden Knee Socks (das alle Zweifel an diesem Album mit einem umreissenden, vereinenden Finale aus dem Gehirn hätte wischen können) hörbar zappeln lässt und väterlich den Überblick über Turners Textkunstwerk behält.

Die Arctic Monkeys wissen was sie tun. Sie scheinen den Stand der Dinge als Ziel ihrer bisherigen Entwicklung zu sehen, ihr Wüstenstudio lieb gewonnen zu haben.
Ich wünsche mir, dass sie aus ihrem amerikanischen Traum erwachen und wieder unberechenbar werden.

StrawHat
(versteht nicht wie in so viel Falschheit diese Menge an Richtigkeit liegen kann)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Do I Wanna Know?
02 R U Mine?
03 One For The Road
04 Arabella
05 I Want It All
06 No.1 Party Anthem
07 Mad Sounds
08 Fireside
09 Why'd you only call me when you're high?
10 Snap out of it
11 Knee Socks
12 I Wanna Be Yours  

Samstag, 7. September 2013

1.39.1 James Blake - James Blake (Deluxe)

8.7/10.0

Ich denke, mich relativ unvorbelastet in das erste Studioalbum des Nord-Londoners zu werfen und einfach mal abzuwarten, was genau mir da empfohlen wurde, war eine kluge Herangehensweise.
Denn wenn man nach dem Herrn googlet, sich die vielen aberwitzigen Beschreibungen seiner Musik durchliest, und auf plötzliche Offenbarung, nein, zumindest Wegweiser hofft, in welche musikalischen Gebiete es einen mit dem nach ihm selbst benannten Album verschlagen wird, dann wird man weder schlauer, noch glücklich.

Glücklich wird man, so gesehen, beim Hören aber auch nicht. Das kommt erst hinterher. Wenn man die ewige herrschende Dunkelheit dieser Scheibe hinter sich gelassen hat, die rauschenden Beats, die einem wie sichtbarer Staub in der leicht beleuchteten Nacht entgegenfliegen, durch seine Erinnerung daran streifen lässt und eine ausgiebige Zeit lang darüber nachdenkt, woran man eben teilhaben durfte nämlich.

James Blake, Jahrgang 88, beschreibt seine musikalische Suche nach sinnvoller Musik jedenfalls als eine sehr glückliche. Sich dem Schreiben von Songtexten zu widmen, mit merkwürdig vertrauten Kompositionen wie dem Opener der Deluxe-Edition, Tep and the Logic, etwas auszulösen, vielleicht etwas Positives auf der Welt zu hinterlassen.
Positive Melancholie, wenn ich dem etwas hinzufügen darf.
Die Songs auf diesem Album schwingen sehr tief und größtenteils, nein hauptsächlich, langsam. Oft ist es nur seine gehauchte, elektronisch verzerrte Stimme, die den Hörer an der Hand nimmt und mutig durch den Track zieht. Notwendiger Mut, denn reflektierende Lyrics warten an jeder Strophenecke und luren hungrig nach menschlichen Schwächen und geben Gelegenheit in unterhaltsamer Schwermut, Emotionen raus zu lassen.
Es ist, gelinde gesagt, süchtig machend, sich in jene Dunkelheit zu stellen und Mr. Blakes Ideen eines guten Albums das Ruder übernehmen zu lassen.
Klar, man kann das Ding auch bei Besuch im Hintergrund laufen lassen und es sorgt letztendlich sicherlich für Gemütlichkeit und Vertrautheit, aber wird man diesen gigantischen Nummern wie Limit To Your Love, The Wilhelm Scream oder dem Lindisfarne-Zweiteiler auf diese Weise gerecht?
Nein, es ist als würde man auf einer Geburtstagsfeier beiläufig The Godfather ansehen und kurz vor Beginn einer filmhistorischen Szene, diese mit "Yeah, die Stelle wird jetzt so gut!" kommentieren.

Ähnlich Burial, musikalisch bloß mindestens ein entfernter Dubstep-Cousin, zeigt James Blakes Debutalbum, dass man sich für gewisse Musik Zeit nehmen und zur Ruhe finden muss.
Dann wirken die teilweise irritierend deutlichen elektronischen Effekte (Unluck, I Mind, You Know Your Youth) eben auch nicht mehr konträr, sondern begleitend und ein Stück weit essenziell, so wie es sich der Künstler vorgestellt hat.
CD 1 ist also bis zum Rand voll mit progressiven rechten Haken. Ein luxuriöser Umstand, der uns das Anhängsel mit seinen sechs weiteren Nummern fast als nebensächlich erscheinen lässt.
Und tatsächlich geht die fortgesetzte Wirkung der zweiten Scheibe (der Enough Thunder EP) im Vergleich eher baden, und hat etwas von unnötiger Überstrapazierung. Deplatzierte, hinterfragende Überlegungen über Produktionsentscheidungen schleichen sich zum flächendeckend guten Eindruck des Albums, und den beinahe religiösen Klängen von Measurements. Track 4, die wunderschöne Sonate A Case For You gibt aber auch diesem Teil schließlich seine Daseinsberechtigung, wenn auch etwas spät. Da es außerdem als separates, aufwärmendes, Werk zu sehen ist, hinterlässt es in der Gesamtwertung der LP keine Spur, wird irgendwann für sich selbst geradestehen müssen.

Um also am Ende eines klar zu stellen: Ein Fall für jeden wird der als freundlich und zufrieden bechriebene Musiker nicht sein, dazu ist sehr Gesangstil einfach zu selten vom roten Faden abweichend und für ein leichtes, oberflächliches Hören (und danach ist erfolgreiche Popmusik ja bekanntermaßen gerichtet) tendenziell ungeeignet.
Ich bin aber der Meinung, dass es sich bei der fast schon magischen Atmosphäre dieses Albums um eine kraftgebende Spende für die innere Zufriedenheit handelt. Songs, die beispielsweise Liebeskummer heilen können, und Menschen einander verstehen lassen.
Und was gibt am Ende mehr Glück als das?

StrawHat
(stellt auch mal rhetorische Fragen)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS: 

CD 1
 
01 Tep and the Logic
02 Unluck
03 The Wilhelm Scream
04 I Never Learnt To Share
05 Lindisfarne I
06 Lindisfarne II
07 Limit To Your Love
08 Give Me My Month
09 To Care (Like You)
10 Why Don't You Call Me
11 I Mind
12 Measurements
13 You Know Your Youth

[Try the whole thing please]
 
CD 2 (Enough Thunder EP)

01 Once We All Agree
02 We Might Feel Unsound
03 Fall Creek Boys Choir (with Bon Iver)
04 A Case Of You
05 Not Long Now
06 Enough Thunder