Sonntag, 17. November 2013
3.3 Arctic Monkeys - AM-Tour - München 12.11.13
Das eigentliche Konzert begann erst als lead guitarist Josh McClorey sein Instrument einem Bühnenassistenten mit Schwung in die Arme warf und die auffallend kurz geratene irische Rhythm & Blues-Band The Strypes nach einem erschöpfend ausführlichen Finale die Bühne verrichteter Dinge verließ.
Denn - ihren beeindruckend überzeugenden Rockton in Ehren - selbst die schnellsten und smartesten ihrer Songs konnten das Zenith-Publikum nicht halb so schnell aufkochen wie die direkt danach eintretende Vorfreude auf Rockabilly-Alex und seine Arctic Monkeys.
Und Zeit haben sie sich gelassen, bis die Bühne - begleitet von sich überschlagender Blitzbeleuchtung - plötzlich erfüllt war von fleischgewordener Variation brachialem Indierock.
Die gut gefüllte Münchner Halle wurde Tour-traditionell mit der Leadsingle des aktuellen Longplayers Do I wanna know? empfangen. Hände erhoben sich und segneten jedes im textsicheren Publikum untergehende Wort - erst Jamie Cooks Riffs durchschnitten den Kollektivgeist erfolgreich. Die einstudierte Lockerheit in Mr. Turners rhythmischem Geschaukle musste der Medizin sei Dank nicht über eine weiter andauernde Kehlkopfentzündung hinwegtäuschen, die nicht nur das Konzert in Offenbach auf dem Gewissen hatte, sondern einige weitere im heimatlichen England.
So wurde unter dem mit jedem Song wechselnden Licht das Maximum an Rock herausgeholt und Giganten wie Brianstorm, Teddy Picker, Crying Lightning und I Bet You Look Good On The Dancefloor ohne Gnade abgefeuert. Und die Mosh Pits feuerten zurück.
Leistete die Lichttechnik stimmungsvolle Arbeit, so wich die Zenith-Akustik abseits der Bühne und dem Zentrum stark von genießbarem Sound ab und verwandelte sich in eine Lärmwand, die weniger wegen musikalischer Kunst als schlecht übersetzter Lautstärke auffiel. Von springenden Klotzen passiv verprügelt und den langen Haaren der weiblichen Mehrheit (locker 2/3) gnadenlos ausgepeitscht, schleift man sich also zwischen Start und Ziel des Konzerts in sichere und angenehmere Gegenden, büßt dafür aber immerhin einige Übersicht über den Konzertverlauf ein.
Meinen Höhepunkt empfing ich daher wie kaltes Wasser auf ausgetrockneter Haut, als Drummer Matthew Helders den Takt zum attraktiven Arabella vorgab und jede Note, jede Textzeile dieses Genussstücks den anstrengenden Abend bezahlt machte.
Im Verlauf des abendlichen Gitarrenwechsels blieb kein einziger Songwunsch auf der Strecke - wenn überhaupt Kritik an der starken Setlist geübt werden sollte, dann am Unvermeidlichen: Fokus auf dem neuen Album, das mich mit seiner lediglichen Überdurchschnittlichkeit Anfang September negativ überraschte. Nichtsdestotrotz wurde der Spaß vor der nachträglichen Heimreise um Juwelen erweitert und Downtempo-Mädchenliebling Cornerstone wurde bloß durch die ewig unbeantwortete Frage des Lebens übertroffen, derer sich die Arctic Monkeys schlauerweise bemächtigten: R U mine tomorrow or just mine tonight?
Meine eingefleischten Favoriten live sehen, Turners Augenkontakt halten und ihn zur Vorderkante der Bühne winken zu können (hey, wer hat gesagt ich darf mir solche Sachen nicht auch einbilden?) beeindruckte mich an diesem Abend nachhaltig. Sollte der nächste musikalische Erfolg noch mehr zu meiner Zufriedenheit ausfallen, will ich die vier neuerfundenen Sheffielder gerne wieder mit Applaus in Person begrüßen. Bis dahin muss mein erstandenes T-Shirt-Arsenal eben halten.
StrawHat
(got two for the road)
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SETLIST & HIGHLIGHTS:
01 Do I wanna know?
02 Brianstorm
03 Dancing Shoes
04 Don't sit down 'cause I've moved your chair
05 Teddy Picker
06 Crying Lightning
07 Fireside
08 Reckless Serenade
09 Old Yellow Bricks
10 Why'd you only call me when you're high?
11 Arabella
12 I want it all
13 Pretty Visitors
14 I bet you look good on the dancefloor
15 Do me a favour
16 One for the road
17 Fluorescent Adolescent
18 I wanna be yours
ENCORE:
19 Snap out of it
20 Cornerstone
21 R U Mine?
Foto by Getty Images
Donnerstag, 14. November 2013
1.5.5 Linkin Park - Recharged
2.0/10.0
Womit wir die erneute Selbstinszenierung eines ohnehin schon beträchtlich mangelhaften Albums verdient haben? Selbstverständlich damit das Label und alle Beteiligten noch mehr Geld verdienen.
Die vermeindlich mit der Zeit gegangenen Künstler von Linkin Park scheinen jedenfalls mit ihrem eingeschlagenen Weg zufrieden zu sein, sich mit ihrer stark verkauften musikalischen Gemütlichkeit im Einklang des amerikanischen Star-Alltags als erbrachte Leistung abzufinden (was die wohl so treiben, außer machen wonach ihnen ist?) und alle paar Gehaltschecks ihre Kumpelz zusammen zu trommeln um die erfolgreich aufgenommenen Songs "neu" zu interpretieren.
Das Ergebnis kann noch so miserabel sein, man zahlt bei Erscheinung trotzdem 16-18 Euro dafür.
Im Falle von Recharged, dem Namenserbe vom bedeutungsvollen Reanimation, dem meines erachtens gelungenen Remixalbum ihres Debuts, hat man sich für die effektivste Methode entschieden. Das heißt, möglichst viel kostensparenden Effektschmuh in unerträglich einfach gestrickte Songfundamente reinzuhauen um es dann als planlose Remixsammlung auf den Markt zu bringen. Mike Shinodas Interesse an Dubstep dürfte wohl als Ansatz gereicht haben. Mehr als ihn und ein paar Gäste wie Pusha T, Steve Aoki und Linkin Papst Rick Rubin hat es sicherlich nicht gebraucht, um den Wind für ein neues Album wieder aufzuladen.
Womit sich trauernde Fans schon längst abgefunden haben, ist, dass man nicht anders kann als dieses elektronische LP genauso zuzulassen, wie alle anderen Mainstream-Richtungswechsel. Die Band ist wie eine leere Leinwand auf der Rückseite eines Clubs. Und die tanzenden Gäste, die sich in diese Gasse verirren oder nach einem ausgiebigen Besuch zugedröhnt anlehnen und auf diese Fläche übergeben, formen die kommenden Veröffentlichungen. Als wahrlich einzige Konstante ist Chester Benningtons mittlerweile zur Eintönigkeit verkommene Gesangsdarbietung zu nennen, die sich auch durch dieses Album schleppt wie Musik-gewordene Langeweile.
Nicht zu vergessen: Überraschung! Der einzige neue Titel ist nicht minder schlecht und mit dem Netz aus dem Soundsumpf geangelt wie der Rest der Scheibe.
Uninspiriert, mäßige Veränderungen unspektakulär ausgeführt, teilweise minimale Abweichungen vom eigentlichen Lied, Dubsteprotz aus der Konservendose, aufeinanderfolgendes Geheule, kein einziger stabiler empfehlenswerter Titel. Faul.
Jedes weitere Wort gleicht dem ausgegebenen Geld: Verschwendet.
StrawHat
(never again victimized)
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TRACKLIST:
01 A Light That Never Comes (with Steve Aoki)
02 Castle of Glass (M. Shinoda Remix)
03 Lost in the Echo (KillSonik Remix)
04 Victimized (M. Shinoda Remix)
05 I'll be gone (Vice Remix) (feat. Pusha T)
06 Lies Greed Misery
07 Roads Untraveled (Rad Omen Remix) (feat. Bun B)
08 Powerless (Enferno Remix)
09 Burn it down (Tom Swoon Remix)
10 Until it breaks (Datsik Remix)
11 Skin to Bone (Nick Catchdubs Remix) (feat. Cody B. Ware and Ryu)
12 I'll be gone (Schoolboy Remix)
13 Until it breaks (Money Mark Headphone Remix)
14 A Light That Never Comes (Rick Rubin Reboot)
Mittwoch, 13. November 2013
2.58 BATMAN: ARKHAM ORIGINS (PS3)
6.5/10.0
Mit neuen verantwortlichen Entwicklern und Schreibern, dafür aber wiederverwerteten Maps und Ideen, geht der dritte Arkham-Titel an den PS3-Start und schlachtet das facettenreiche Villain-Feuerwerk in diesem Prequel bis an die Grenzen des Blödsinns aus. Mit wenig bis gar keinen befriedigenden Umsetzungen wurde dafür gesorgt, dem anständigen und besonderen Arkham Asylum-Denkmal noch ein paar verunstaltende Graffitis hinzuzufügen.
Aber beginnen wir mit der Fledermaus in der Höhle:
Langweiler-Crimeboss Black Mask setzt ein Kopfgeld auf den recht frisch im Geschäft wirkenden Batman aus, der in den bisherigen 2 Jahren zwar Gothams Abschaum eingrenzen, aber nicht auslöschen konnte. Das Ergebnis ist eine Weihnacht, die mehr Terror und Gewalt bereithält, als seine bisherigen Schlachten zusammen. Zahlreiche Feinde planen Fallen und Attentate, um den dunklen Ritter zu brechen und von den Fersen der Geld-bringenden illegalen Geschäfte ein für allemal fern zu halten.
In dieser einen verschneiten Dezembernacht stößt der Protagonist also auf eine Vielzahl plötzlich in Erscheinung tretender Gegenspieler, um ihnen nacheinander die Kerze auszupusten.
Was dabei deutlich wird: Die Gleichheit mit Arkham City wird nach der Geographie um einen weiteren Punkt verdeutlicht: Die Story.
Mit brachialer Gewalt werden Gegner verheizt und zwischendrin als minimale Subquests fallen gelassen, blitzschnell gezeigt und ohne wichtigen Beitrag wieder verworfen. Das gut gemeinte Detektivspiel der Verbrechensrekonstruktion lässt einen weder besonders gescheit, noch wahnsinnig zufrieden zurück und der Stealth-Modus findet sich deutlich einfacher und mit dem Kopf durch die Wand lösbarer wiedergeboren.
Es ist Wischiwaschi-Batman. Bloß weil man Spielzeuge an den Kopf geworfen bekommt, heißt es nicht, dass man damit viel anfangen kann. Es bleibt bloß ein sinnloser Bluterguss zurück.
Von Bugs und Glitches wurde ich mit der PS3-Version immerhin eher verschont. Ab und zu zerschoss es den Sound, die flüssige Grafik, oder die Ausrüstung tat gar nicht wie geheißen. Das Weiterkommen in der an und für sich ergreifenden Batman-Atmosphäre wurde hingegen nie riskiert.
Die fehlende Nachhaltigkeit der gelösten Fälle und zu Boden gebrachten Feinde lässt das Spiel unterm Strich fahl und langweiliger wirken, als es während des Spiels tatsächlich war. Wie in den vorherigen Spielen wurden die kreativen Gadgets gut genutzt um die sicher viel zu stark wiederholenden Schlägereien hinter sich zu bringen oder Collectibles zu erreichen. Es ist eben der fehlende Fortschritt, der diese Spielerfahrung zum Gegenteil eines Must-Plays mutieren lässt.
Alles schon gehabt.
Für den nächsten Titel, einem Arkham World etwa, fielen mir zahlreiche Wunschziele ein um dem Preis des Spiels gerecht zu werden: Würdevollerer Umgang mit den starken Charactern aus dem Franchise etwa, oder sie in weniger repetitiven Fights bezwingen zu müssen. Neue und ansehnlichere Maps oder geschickter eingefädelte Storywandlungen sind selbstverständlich auch vorzuschlagen. Warum tritt Arkham auf der Stelle, wenn es doch so gute Ansätze hatte?
Beim nächsten Mal wird die Note mit Sicherheit nicht mehr durch die gute Synchronarbeit und Animation aus dem Schlamassel gezogen. Da will ich Entwicklung sehen.
StrawHat
(vom neuen Joker positiv überrascht)
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LINK:
BATMAN: ARKHAM ORIGINS E3 GAMEPLAY-TRAILER: http://youtu.be/i6AoJB54Y2o
Samstag, 9. November 2013
2.57 OUTLAST (PC)
8.0/10.0
Was man so über das Horror-Game des Jahres hört, ist wahr. Es stresst, es erschreckt, es widert an.
In FP eine Kamera zu tragen und die zuerst bloß beunruhigenden, später verstörenden, Erlebnisse im Mount Massive Asylum, einer beispiellos dargestellten Klischee-Psychatrie in den Bergen von Colorado, aufzuzeichnen, sowie das betont unangenehm dunkle Innenleben mit der Nachtsichtfunktion zu durchleuchten, mutet außerdem als verflucht gute Idee an, überzeugt noch mehr durch unkomplizierte und gelungene Umsetzung.
Die Szenen, die auf Miles Upshurs Reise durch die schwer mitgenommene Anstalt am Meisten verstören, sind jedoch nicht die Blutigsten (wenn auch graphisch mitreißend), sondern die geglückten Jumpscares - da selber ausgelöst, die stressige Flucht vor Insaßen und die noch stressigere Suche nach Versteckmöglichkeiten.
Dem Trend, immer einen Spind oder ein Bett zur Verfügung zu wissen, in oder unter dem man sich in Sicherheit bringen kann, wirst du während der knappen 20 Stunden Spielzeit den Entwicklern sei Dank nicht müde.
Auch wenn Feinde ab einem gewissen Zeitpunkt leicht ihren äußerlichen Schrecken verlieren und die A.I. nicht selten durchschaubar wird, die Verblüffung, wie gründlich sie manchmal nach dir suchen, ist ein weiteres großes Pro dieses Titels. Das Entkommen wird dir nicht zu leicht gemacht.
Vor dem Betreten des Gebäudes wird in atemberaubender Grafik schon impliziert, dass du den Laden auf den Kopf stellen wirst müssen. Die zähe Suche nach Antworten für den chaotischen Zustand der Anstalt führt einen in sämtliche Stockwerke, sowie - wie kann es auch anders sein - die Abwasserkanäle. Gejagt von einem fies aussehenden Fleischberg, scheinen bloß die rasch gekritzelten Notizen deinen Protagonisten bei Sinnen zu halten. Die Atmosphäre, sei es ein verlassener Schauraum, ein bedrückendes Kanalgemäuer oder das alles erschwerende Sauwetter, droht Miles ständig zu erschlagen. Als er dann noch gefangen genommen, und zum Teil dieses erschreckend schiefgelaufenen Experiments gemacht wird, droht ihm der Verstand zu versagen und Urinstinkte das Kommando übernehmen zu lassen.
Stimmungsmäßig haben die kreativen Köpfe das Maximum herausgeholt. Spiele mit Licht und Schatten, Erwartung und Furcht, den nicht vorhandenen Optionen sich zu Wehr zu setzen, aber wiederum ausgebauten Möglichkeiten seine Umgebung zu checken (um Ecken zu gucken und beim Laufen hinter sich zu schauen) ist nichts weiter als anerkennender Applaus hinzuzufügen. Outlast wird binnen Stunden schnell zum Paradebeispiel für intelligenten Horror in Videospielen, zum mehr als leistbaren Preis.
Antreibende Panik, irgendwann ohne Batterien für die Nachtsicht deiner Kamera in der Finsternis zu stehen, lässt einen zügig voranschreiten, fest zu hängen passiert dank der - durch erlernte Vorsicht feststellbar - übersichtlichen Patterns der Gegner lediglich kaum bis gar nicht.
Was das Spiel an einer Topwertung jedoch vorbeisausen lässt, ist die Offensichtlichkeit des letzten Stücks, die im Nachhinein sehr unspektakulär dargestellten letzten Szenerien, schließlich verdichtet durch ein Rohrkrepierer-Ende, das den üblichen drei Vierteln des Games nicht würdig wird.
Outlast ist als ein mutiges Stück Horrorkunst zu sehen, behandeln und kaufen. Das Geheimnis zufriedenstellender Erfolge scheinen immer weniger die abgenutzten Franchises zu sein, stattdessen aber die hin und wieder aufkommende Verdichtung mehrerer genialer Entwickler mit Arbeitsreferenzen aus vielen starken Spielen wie Assassin's Creed, Uncharted und Splinter Cell.
Bitte spätestens auf der PS4 zuzugreifen.
StrawHat
(offensichtlich mit dem Finale unzufrieden)
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LINKS:
OUTLAST TRAILER: http://youtu.be/F80Wv66GYSs
Sonntag, 6. Oktober 2013
1.39.2 James Blake - Overgrown
7.3/10.0
30 Sekunden in Overgrown, dem Album, sind zugleich 30 Sekunden im gleichnamigen Titeltrack, der das Songensemble des zweiten Longplayers mit fast fremdartiger Betonung der Lyrics anführt.
And I want you to know / I took it with me / And when things are thrown away like the are daily mündet in einen minimal hörbaren Gap, nahe einem akustischen Cliffhanger, der jedoch einen Reim darauf empfängt, bevor ein solcher Bedarf überhaupt ausgesprochen wurde: Time passes and the constants stay.
Es sind nur die ersten Sekunden des Songs, und somit des Albums, doch Mr. Blake öffnet mit seiner gehauchten, geschmeidigen Handschrift die Tür für Emotionsmonster, Sorgendämonen und Ohrwürmer und man kann nichts anderes unternehmen, als paralysiert dabei zuzuhören und zu staunen, wie diese orchestral ihre Plätze einnehmen, Melancholie die Überhand gewinnt und binnen 5 Minuten eine alles andere als alltägliche Bühne aufgebaut wird, mit den Gedankenblasen des 25-jährigen im zentralen Scheinwerferlicht.
Wie schon am weltweit bejubelten Vorgänger sprechen Stille und minimalistische elektronische Effekte ganze Bände in Blakes Kompositionen. Die geheulten Worte spulen sich oftmals undeutlich im Vordergrund herunter, wandern dann freiwillig ab und mauern die kommenden Höhepunkte der Songs gesanglich ein, sodass ein stabiles Fenster in den tragenden Sound entsteht.
Life Round Here und Take A Fall For Me, wenn auch mit - für Blakes Verhältnisse - beachtlicher Dynamik ausgestattet, wabern schmerzhafterweise gerademal als zeitvertreibende Übergänge im klanglichen Irragarten um ihr Leben, wenn die darauf folgende Singleauskopplung seine Zeit kommen sieht. Der liebevoll geloopte Chorus der anderen Songs - davor und danach - greift nämlich erst nach mehreren Anläufen, da Retrograde viel zu hell erstrahlt und sich selbstbewusst inhaltlich wie musikalisch zu den befriedigensten Werken des Londoners rechnet.
Was folgt, sind beruhigend soullastige Pianoballaden (DLM), erschreckend punktuelle Dubstepnachwehen (Digital Lion) und launische Experimente (Voyeur), die mit dem gefährlichen Schwert der Reizüberflutung spielen und diesem schwierigen Album die Rolle eines Motors zusprechen, das im Ganzen unter keinen Umständen im Stillstand gehört werden darf.
Reiht sich Overgrown also deswegen unter die zahllosen Beispielalben der introvertierten Laufmusik?
Bloß bedingt, denn gegen Ende und fast unterm Strich ist es wieder Herbsttag-, bzw. Hintergrundsound. Ihm fehlt die gezielte Irritation des Vorgängers, hauptsächlich die freche Verwendung von Breakbeats. Rap mag im Gesamtbild nicht deplatziert wirken, James Blakes Interesse an der entstandenen Symbiose patzt jedoch etwas uneingeladen in den ruhigen Abend. Die Wahl der Prediger versöhnt einen dafür mit dem entstandenen Umstand immerhin zügig, RZAs bodenständiger Style hielt den Experiment-orientierten Augen von Kanye West, einem Zeitgenossen des Künstlers zur Zeit der Produktion, wacker stand.
Ein inspirierendes Follow-up, ein gelungenes, beruhigendes Album ist ihm da gelungen. Zweifellos ist Blakes Gesang für alle, die nicht sofort damit können, gewöhnungsbedürftig. Aber bei all den winselnden Popplärrern, die man sich unfreiwillig täglich geben muss, stechen die stets mit Bedacht und Nachdruck aufgenommenen Vocals spürbar heilsam hervor. Auf den Rest macht man sich bequem zeitnah einen Reim, denn Bedarf hat man nach einzelnen Kostproben sowieso.
StrawHat
(wants you to know)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:
01 Overgrown
02 I Am Sold
03 Life Round Here
04 Take A Fall For Me
05 Retrograde
06 DLM
07 Digital Lion
08 Voyeur
09 To The East
10 Our Love Comes Back
Freitag, 27. September 2013
IX : 3RD BIRTHDAY
Die Zuschaltungen der Vorjahre haben sich im dritten Durchgang verdoppelt und ich möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern herzlich bedanken, dass sie hin und wieder reinschauen um sich neue Strawpinions rein zu ziehen und sich ein faires Rating bzw. eine brauchbare Bewertung von Musikern, Alben und Spielen abzuholen.
Die Vorstellung, wie Leute da sitzen und lesen, motiviert mich.
Und ich bin noch lange nicht fertig.
So stay pinioned!
StrawHat
(pustet in de Partytröte: PFFRRRRT!!!)
Die Vorstellung, wie Leute da sitzen und lesen, motiviert mich.
Und ich bin noch lange nicht fertig.
So stay pinioned!
StrawHat
(pustet in de Partytröte: PFFRRRRT!!!)
Montag, 23. September 2013
1.40 Nujabes
It's funny how the music put times in perspective /
Add a soundtrack to your life and perfect it /
Whenever you are feeling blue keep walking and we can get far /
Wherever you are.*
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Als Seba Jun kurz nach seinem 36. Geburtstag verstarb, ging ein Raunen durch das Internet. R.I.P.-Bekundungen in Foren, Musikstreamseiten und -portalen verdeutlichten einen menschlichen Verlust, dessen Berichterstattung man in Nachrichtensendungen auf der ganzen Welt fast unbewusst vermisste. Dies lag zum einen daran, dass es nie wirklich etwas publizierenswertes über den Tokyoter Produzenten und DJ zu berichten gab, außer die Entwicklung einer neuen Kollaboration oder der Erscheinung einer weiteren Scheibe. Und zum anderen daran, dass das Internet als unersetzbares Medium der Daten- und Informationsübertragung unter anderem dafür sorgte, dass wohl die Musik keines Künstlers so nachdrücklich und betont empfohlen, verlinkt und geschenkt wurde und wird, wie die einzigartigen Beats von Nujabes.
1 - Beat Laments The World
F.I.L.O., I'd rather do nothing else /
If I follow my heart to the last pulse /
Like the last man down in the towering inferno of Babylon /
First in, last out.**
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Das mag eine äußerst subjektive Auffassung sein - eine, mit der ich mich sogar aus dem Fenster lehne. Gedacht ist es als Ausrufezeichen, das auf dieses viel zu kleine Lebenswerk des Japaners hinweisen soll. Eine große Bitte gar, sich seinen stimmungsbeeinflussenden, menschenverbindenden Tracks zu widmen und zeitnah ein Bild von seiner Musik zu machen.
Was sein rhythmische Down- wie Uptempo-Melodien so faszinierend macht, ist nämlich u.a. die zwirbelnde Jazz-Komponente, die ein zugleich erstaunlich introvertiertes wie forsches, verspieltes Feuerwerk aus dem Datenträger schießen lässt. Die erzählten Rhymes der vielzähligen Jamgäste spielen sich dazu wie aufgezeichnet ab. Man sieht Meisterwerke vor geschlossenem Auge, obwohl es nur die Musik ist, die man real wahrnimmt. Nujabes' abwechslungsreicher Soundspielplatz bietet zeit- und zornvertreibende Attraktionen, die mal instrumental, mal nicht, Raum zum Durchatmen geben. Es putzt das von Druck und Anspannung überlastete Hirn durch, ohne gedankenlos und erfolgsorientiert zu wirken. Gleichzeitig funktionieren die treibenden Beats aber mit einem Ohr lesbar und unkompliziert.
Es ist Jazz Hop-Entspannungsmusik.
2 - Music Is Mine
A freelancer / A battlecry of a hawk make a dove fly and a tear dry /
Wonder why a lone wolf don't run with a clan /
Only trust your instincts and be one with the plan.***
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In den wenigen Jahren, in denen Nujabes aktiv war, wurde also immerhin viel Nachhaltiges geschaffen. Die freundschaftlichen Sessions mit CYNE's Cise Starr, einem einstmaligem Undergroundtalent von der amerikanischen Ostküste, und selbstverständlich den ortsnahen Kompositionen mit Shing02, einem erklärten Freund des Künstlers, da vom selben Fach, mündeten in das weltweit als Meisterwerk angesehene erste Studioalbum Metaphorical Music. Diese über eine Stunde laufende Zusammentragung einzelner vielschichtiger Hip-Hop-Experimente legte den Grundstein für die spätere Anerkennung seiner magischen Tracks.
Richtig interessant wurde es für aufmerksame Ohren jedoch erst mit dem viel gelobten Battlecry, dem legendären Opening der zweischneidigen schwarzen Animekomödie Samurai Champloo, deren 26 Episoden mit Nujabes' unvergleichlichem Tonensemble, sowie den abgeklärten Vocals von Shing02 eingeleitet wurden. Fast vergaß man, dass man die Sendung für die gute Show sah, und nicht für den musikalischen Beitrag.
3 - Spiritual State
Throw your hands up in the sky /
Wave around from side to side /
we about to get fly.****
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Doch Nujabes Lebenswerk ist auch nur mit den durchwegs liebevoll eingebundenen Instrumenten zusammen zu fassen, die auf den weiteren Alben stärker in den Mittelpunkt gerückt wurden. Geglückte Piano-Loops schmiegen sich zärtlich an eine Reihe klassischer Instrumente und den beruhigenden Hip-Hop-Pulsschlag an und eine glückselige Klangwolke tröstet einem das gebrochene Herz, über Jun Sebas tödlichen Unfall an einer tokyoter Autobahnausfahrt und das daraufhin lediglich posthum veröffentlichte dritte Studioalbum Spiritual State.
Der unnötige Tod eines so wertvollen (weil friedfertigen), talentierten menschlichen Wesens ist ein Anhaltspunkt für mich, dass kein Gott, sondern Chaos diese Welt überwacht. Es geht Hand in Hand mit der Erkenntnis wunderschöne, treibende, tragende und inspirierende Melodien zu erfahren, und der absoluten Vergänglichkeit, mit der man sich als lebender Mensch irgendwann befassen muss.
Wenigstens scheine ich für diese Gedanken nun einen passenden Soundtrack gefunden zu haben.
StrawHat
(tief)
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STRAWPINIONS:
Absolute Anspieltipps: Lady Brown, Luv (Sic) Part 3*, Kumomi, Beat Laments The World, F.I.L.O.**, Feather, Battlecry***, Latitude (Remix)****, Spiritual State, City Lights, World's End Rhapsody
LINKS:
LIVE AT THE MODAL SOUL RELEASE PARTY: http://youtu.be/hN_4l80sMYM
NUJABES TRIBUTE SITE: http://www.nujabes.org
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