Donnerstag, 16. Januar 2014

1.43.1 Marina and the Diamonds - The Family Jewels

3.0/10.0

Glaubt man dem britischen Publikum und den chronologischen Aufzeichnungen ihrer Aufnahmen, war der Aufstieg des vorbeiziehenden walisischen Kometen Marina Diamandis ein längerer Prozess. Einer, der untermauert, wie lang so ein Durchbruch auf sich warten lässt, selbst bei gern gesehenen und gelobten Namen, die in vieler Munde sind und lange vor nennenswerten Lead Singles in vieler Leute Ohren herumgeistert.

So kommt es, dass das Debutalbum der damals 24-jährigen erst im Frühjahr 2010 erscheint und im Vereinten Königreich einen breiten Schweif an positiven Rezensionen hinter sich herzieht. Und ja, Marina and the Diamonds spuckt teilweise stabilen Synthpop aus, unterhält träumende Teenager (die gibt es immer) mit fruchtigen Anekdoten und bisher "vollkommen unbehandelten" Weisheiten wie I am not a Robot, schunkelt erfolgreich 45 Minuten lang mit Klangwirrwarr im 4/4-Takt vor sich hin, um, wenn schon nicht die beste, zumindest eine gute Zeit zu bieten.
Spätestens nach der ersten halben Hand voll Tracks gurgelt sich das voluminöse Kopfstimmchen der aus Abergavenny stammenden Fast-Ikone jedoch bereits an die Spitze des Erwartbaren.

Denn: Für jede der geglückten Höhen ihres Stimmrepertoires muss Ms. Diamandis ordentlich Schwung holen und wenn schon nicht davor, dann zumindest danach einen qualitativ wechselhaften Alt abfeuern, dessen Farbe man irgendwann überdrüssig wird.
Das Ergebnis dieses Spiels ist ihr überall heraushör- und erkennbarer Style, mit dem sie einerseits nicht nur wirkt wie eine gejagte Disney-Prinzessin, sondern auch wie die musikalisch talentierte jagende böse Königin. Und beiden ist nach einem Song zumute.

Wie gesagt, verkaufen sich die von ihr selbst geschriebenen Lyrics als keine Weltneuheit, aber sicherlich ausreichend poetisch um dem Kindergeburtstag ein Stück weit "in die besten Jahre gekommenen Teenager" einzuhauchen. Zu empfehlen ist der überaus ehrliche Opener Are you satisfied?, der fast alle Themen des Albums quasi vorwegnimmt, Spaßkanone Mowgli's Road, sowie selbstverständlich der - und jetzt kommt sie - Lead Single: Hollywood, mit leidgeprüfter Wortwahl über die faszinierende amerikanische (Un)wahrheit und unterhaltsamem Mitgröhl-Pop, dem man beim gemeinsten Willen einfach nicht böse sein kann.

Woran es an diesem Album genau scheitert, vermag man nicht zu sagen. Diamandis ist talentiert, unterhaltsam, sie schreibt stabil, sie singt besonders, sie räkelt sich zufriedenstellend - alle, die was in diesem Genre zu suchen haben, finden Fressen.
Und doch könnten diese 45 Minuten so viel besser sein.

StrawHat
(war selber ein träumender Teenager)
-----------------------------------------------

TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Are you satisfied?
02 Shampain
03 I am not a Robot
04 Girls
05 Mowgli's Road
06 Obsessions
07 Hollywood
08 The Outsider
09 Hermit the Frog
10 Oh No!
11 Rootless
12 Numb
13 Guilty

Samstag, 11. Januar 2014

2.62 FIFA 14 (PS3)

4.5/10.0

Alle Jahre wieder beglückt EA Sports die Fanwelt mit den Bestsellererfassung der Milliardengeschäfte Mannschaftssport. Global freuen sich Erwachsene wie Kinder über die neuesten Versionen ihrer Must-Buys, denn neue Kader, angeblich weiter ausgearbeitete Feinmechanik, zusätzliche Animationen - ein ganzer Haufen Sneak Peaks aus der langen Liste der Gründe  MADDEN NFL, NHL, NBA2K und FIFA immer wieder zu verteidigen und regelmäßig im Herbst des kommenden Jahres anzusteuern - schenken viel Platz für Vorfreude.
Für gewöhnlich braucht es mindestens einen Sommer, sich auf den Release zu freuen, und mindestens ein Anspielen, die so farbenreich und anmutig erdachte Seifenblase zum Platzen zu bringen.

FIFA ist ein ewig unfertig programmiertes Wrack, das lediglich äußerlich für den anstehenden Trailer zur neuen Saison mit goldener Farbe bestrichen und für die ersten - für viele schon kaufentscheidenden - Eindrücke aufgemotzt wird. In-Game hält es nahezu kein einziges seiner Versprechen, dem Franchise einen neuen Kniff gegeben, dem Match lebendigere Teamdynamik und interaktiveres Ballgefühl hinzugefügt zu haben.
Du spielst hauptsächlich die Spiele der letzten Jahre mit geringfügigen Überarbeitungen und zahlst jedes Mal vollen Preis für den Spaß.

Dieser Spaß bedeutet für mich, mich online mit Begeisterten aus der ganzen Welt messen zu können, und offline einen eigenen Profi in das Geschäft zu schicken, ihn Jahr für Jahr zu neuen Höchstleistungen zu pushen, bis sich attraktivere Vereine melden und sich der saisonale Wert seiner Arbeit bis ins Unermessliche steigert - zu eben den lächerlichen Transferpreisen von denen man das ganze Jahr über hört.
Ein tolles Konzept, das dem Fußballfan das Atmen vieler Sportkomponenten abseits der Realität ermöglicht.
Doch in Wahrheit verschwendet man bloß Zeit und Geld mit dem Gipfel der Sinnlosigkeit.

Die auftretenden Bugs bilden eine eiserne Kette, die dich in der gesamten Karriere nicht los, nur eingeschränkte Transferoptionen zulässt, und eventuelle Titel im Ernstfall von dir fernhält. Denn bist du in deiner Schwierigkeitsstufe der aktuell Beste auf deiner Position, wirst du in richtungsweisenden Spielen nicht eingesetzt und verpasst somit Chancen groß raus zu kommen.
Die auftretenden Verletzungen lösen sich während eines Matches noch in Luft auf oder schicken den falschen, eigentlich unbeeinträchtigten Spieler, vom Platz.
Spieler, die sich wie seelenlose Hüllen bewegen, oft durch Himmel und Hölle glitchen und mit plötzlichen Ballkontakten nicht klar kommen. Teilweise reagieren sie nicht mal, wenn der Ball neben ihnen liegt, weil die Spieler>Ball-Mechanik einfach hängt.
 Schiedsrichterentscheidungen über irrwitzige Abseitsstellungen oder Fouls erschweren ordentliches Aufbauspiel mit purer Frustration, Trainer wechseln Spieler zu wahnsinnigen Zeitpunkten aus.

So einfach das Glücksgefühl über Beherrschung der Mannschaften und großartige Torschüsse sein mag, so unbefriedigend verbaut ist die Exekution dieser wichtigen Dinge.
EA Sports nimmt mit ihrem geldgeilen Minimalaufwand die Freude aus so zielstrebigen und simplen Alltagshighlights wie Fußball - Käufe für optimierte NextGen-Konsolen und die weiteren Versionen sind nicht zu empfehlen und mittlerweile eigentlich prinzipiell nicht mehr vertretbar - da helfen keine schönen Menüs, ermöglichte Duelle gegen Freunde oder langen Karrieremodi mehr, aus denen du mit einem per Mail angekündigten Händedruck und Bankett ins Startmenü katapultiert wirst, als hätten die vergangenen paar hundert Stunden nicht stattgefunden.

StrawHat
(hatte auch FIFA 13 gekauft und wird FIFA 15 nicht kaufen)

----------------------------------------------------------------------------

LINKS:

FIFA 14 FAILS, GLITCHES AND BUGS: http://youtu.be/AeS5FBrWePw

Freitag, 3. Januar 2014

1.15.4 Burial - Rival Dealer (EP)

8.6/10.0

Wenn Burial ans imaginative Mischpult tritt und anfängt sein rauschiges, bebendes Ding zu machen, geht der Mond auf und beleuchtet ein einstmals vertraulich und gemütlich wirkendes Szenario. Eines, das sich über gefühlte Jahrzente in einen gefährlichen, kantigen, unfreundlichen Schrottplatz verwandelte und dir in dein Ohr schreit, wie sehr er um Erlösung bettelt.
Wie auf seinem vorhergehendem EP Truant/Rough Sleeper vergehen keine 10 Sekunden, bis du in Burialtown bist - an einen einsamen Stuhl in unüberschaubarer Trostlosigkeit gefesselt, damit du nicht vor einem Blick in die Vorstellungskraft deiner Einsamkeit weglaufen kannst.

Das fast schon jährlich zur - an und für sich - kältesten Zeit des Jahres erscheinende Lebenszeichen von William Bevan hat wieder in kratzenden Elektrokrimskrams gepresste Bildbände seiner mentalen Reisen als aufsteigender Undergroundproduzent im Gepäck. Das Ding mag Rival Dealer heißen, doch aufgrund seiner tragenden Message - nicht zuletzt durch bewundernswerte Samples erzählt - sind wohl so viele Titel für das Track-Dreiergespann möglich, dass der übertragene Sinn der gewählten Überschrift fast schon aus einem anderen Wortuniversum stammen könnte.

Der Titeltrack beginnt in der nun schon seit Jahren eingespielten Uptempo-ausgerichteten Manier, bietet nicht nur den unfreundlichsten Start seit Kindred, sondern ehrliche Wegweiser und auf Inseln verteilte Puzzleteile zur Antwort auf die Frage: Was will dieser Mann uns diesmal zeigen?
Dass Hiders also wie ein überstürztes Happy-End ohne Erklärungen als zweite Nummer folgt, wirkt fast wie die schönste und sauerstoffreichste Nebenepisode aller Zeiten. Es besaß nach dem Release am 16. Dezember fast eine vorweihnachtliche Magie, die man wie die Lichtspiegelung einer Uhr einfach nicht zu fassen bekam.
In die Kammer der Offenbarung führt uns Burial also erst mit der von einer Art Chorsummen und vorrübergehenden Walgesang eingeleiteten Nummer Come Down To Us, einer Aufforderung die sich über die anderen beiden Kompositionen zog wie ein blassroter Faden.
Und als wir diese Kammer betreten, nimmt die von diesem Musikweisen in unser Innenohr projizierte Geschichte Farben an, erzählt die aus Samplefetzen bestehende Überlieferung von vorne.

Berichtet von Hoffnung in eigener hoffnungsloser Ausgestoßenheit, Abgrund-nahem Verlangen nach der gegenteiligen Situation, nimmt jedoch in all seiner erlösenden musikalischen Klarheit nichts von dem finalen Höhepunkt, Lana Wachowskis leider brutal drückende Dankesrede für den Visibility Award der Human Rights Campain, vorweg.
Wachowski und auch Burial schufen mit ihrer Absicht vor Menschlichkeit triefende Brücken zu den gepeinigten Seelen unserer Zeit. Für Menschen, die sich weder gesellschaftlich akzeptiert fühlen, noch inneren Frieden damit finden.
Die Message kam erfolgreich an.

StrawHat
(aus Burialtown)
-------------------------

TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Rival Dealer
02 Hiders
03 Come Down To Us

[try the whole thing please, obviously]

Dienstag, 31. Dezember 2013

1.VII STRAWARDS 2013



Mir betont wertvolle Leser meines Blogs,

es ist wieder soweit. Die letzten Tage des Jahres sind gezählt und damit kann ich gar nicht anders, als dem aufstrebendem Gefühl nachzugeben, die in diesem Jahr gehörte Musik und gespielten Games in Form eines Strawards auszuzeichnen und als Botschaft in die auf Flügeln herannahende Zukunft zu schicken. Lest und lauschet somit den Gewinnern meiner diesjährigen Auswahl.

Folgende Reglements sind zu beachten:

1. Ich vergebe dieses Jahr Preise an die Besten in acht Kategorien: Video Game, Video Game Character, Earworm, Song, Music Video, Album, Live Performance, Artist.
2. Qualifiziert sind alle von mir im letzten Jahr erlebten Werke. Es spielt, trotz Erwähnung, weder Produktions-, noch Erscheinungsjahr oder Genre eine Rolle.
3. Jede Band darf nur einmal pro Kategorie nominiert werden. Ein Umstand, der im Falle von Videospiel-Produktionsfirmen in der Kategorie Best Game nicht eintritt. Maximal werden sechs Nominierungen pro Kategorie ausgesprochen.
4. In der Kategorie Live Performance zählen von mir selbst besuchte Konzerte, sowie Film- und Tonmitschnitte von Konzerten.
5. Es muss keine bereits erstellte Strawpinion zu Nominierungen bestehen.


---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Selbstverständlich wird die Zeremonie wieder von den herausragendsten Songs der vier Quartale umrahmt. Den Anfang beschreibt ein Song, der mich durch das ganze Frühjahr hindurch hypte, mal mit einem Teaser in der amerikanischen Comedyshow Saturday Night Live, später mit ersten Ausschnitten und angespielten Passagen. Die deutliche Dominanz, wenn schon kein ausdrücklichen Lieblingslied von mir, ist dem Track nicht zu nehmen. Die Wahl für SONG OF SPRING fiel also sehr entspannt auf:


Wer die letzten Jahre beobachtet hat merkt also gleich, dass es wieder ein elektronischer Song auf den Frühlingsthron geschafft hat. Als internationaler Gute Laune-Hit scheint ihm seine Rolle als Ouvertüre für den ersten Straward ja quasi auf den Leib geschrieben zu sein.
Und doch passt es noch auf andere Weise perfekt, denn Get Lucky ist nicht nur in der ersten Kategorie nominiert, sondern beherrschte die Position bis in den Sommer hinein fast alleine.
Dass er nicht gewonnen hat, kann man nur dadurch erklären, dass 1-2 andere Songs sich doch noch ein bisschen mehr im Ohr festsetzten. Und wer sie kennt, oder sie sich gerne reinzieht, weiß auch genau warum.

EARWORM OF THE YEAR
KANYE WEST (FEAT. RIHANNA) - ALL OF THE LIGHTS
2nd Place: The Streets - Has It Come To This?
3rd Place: Daft Punk - Get Lucky

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------   

Wie auch schon im Jahr davor besuchte ich zwei Konzerte, die ich beide nicht nur in fast vorderster Reihe starten, sondern auch halb verprügelt verlassen durfte. Doch auch zwei Live-Alben heizen der Wahl zu dieser Auszeichnung gehörig ein. Warum es doch der Auftritt dieser einen Band wurde, muss ich ja wohl keinem mehr erklären.


LIVE PERFORMANCE OF THE YEAR
ARCTIC MONKEYS - ARABELLA
(MÜNCHEN, 2013)
2nd Place: Queens of the Stone Age - ...Like Clockwork (München, 2013)
3rd Place: Justice - On'n'On (Nîmes, 2012)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Und selbstverständlich hielt ich wieder die Augen nach originellen, witzigen, hübschen oder einfach nur ansprechenden Musikvideos offen, wurde mit 5 Stück tatsächlich deutlich fündig. Diese Kategorie war dieses Jahr mit am Schwersten zu entscheiden, hingen doch sehr expressionistische Werke im Raum. Zu meiner eigenen Überraschung kristallisierte sich aus der Komplexität der ruhigste und unaufdringlichste Nominierte heraus, der es mit emotionaler Tiefe und wunderschönen Visualisierungen schaffte, die harte Konkurrenz hinter sich zu lassen.

MUSIC VIDEO OF THE YEAR

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Nach drei vergebenen Preisen wird es wieder Zeit für musikalischen Einsatz. Mit unterschiedlichsten Musikrichtungen kämpften 5 Artists um den wohl bleibendsten musikalischen Eindruck im Jahr - den Sommerhit. Da ich ihn für mich Mitte diesen Jahres nun endgültig entdeckte, der Track der absolute musikalische Hammer ist und nicht nur für Stimmung sondern auch für Fragwürdigkeit sorgt, konnte ich nicht anders, als ihn am Rest vorbeiziehen zu lassen:


Mit so viel künstlichen Effekten im SONG OF SUMMER ausgestattet, widmen wir uns der spannenden Frage um das Videospiel des Jahres. Und OH BOY! haben sich die Blockbuster 2013 beschossen. Zu Anfang des Jahres hat man sich noch gedacht, dass es für Rockstar Games großes Feuerwerk GTA V ein leichtes Spiel werden würde, so musste man spätestens nach The Last Of Us gestehen, dass Geschmäcker und Vorlieben diese Wahl entscheiden werden.
Unterm Strich wäre man meiner Meinung nach verrückt, diesen Preis doch nicht den Leuten zuzusprechen, die derartig gute Arbeit geleistet haben dieses Kunstwerk zu kreieren. Und bei aller Liebe: Den offensichtlichen Schwächen so gewaltig entgegen zu steuern und mehr und mehr Möglichkeiten zu geben, Spaß zu haben, ist einen Straward mindestens wert. 

VIDEO GAME OF THE YEAR
2nd Place: The Last Of Us
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Weiter geht es mit meiner Lieblingskategorie, dem Album des Jahres. Nichts hat für mich mehr Aussagekraft als die zusammengestellte Songauswahl eines Künstlers - Gänsehaut-provozierende Beats und Trackfolgen, die in einem Stück gehört werden müssen. Gute Alben bleiben für die Ewigkeit und ähnlich wie beim neuesten Gewinner gerade eben, musste sich mein Favorit gegen harte Konkurrenz durchsetzen und alles andere als einen Spaziergang absolvieren, um sich diesen Straward zu holen. Warum sie es für mich doch gerissen haben, taumelte dieses unerwartet präzise Werk immerhin in eine ganz andere Richtung als vorher gedacht, ist ganz leicht zu erklären: Es ist ein Album voller Highlights, ein Easy listen, ein verspielter Traum, ein Zunicken zu einer Zeit vor meiner Zeit und mit Facetten versehen, die sich erst erkennbar machen,wenn man es wiederholt hört.

ALBUM OF THE YEAR
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
 
Zu einer unserer beiden neuen Straward-Kategorien gehört ein weiterer wichtiger im breiten Videogame-Spektrum, und bemerkenswert ist: Die Wahl zum Videogame Character war sogar noch schwieriger als alle bis hierhin genannten!
Einzig Screentime und Ausbau der Rolle entschieden über den Gewinner und ich muss mich tatsächlich zusammenreissen, objektiv bleiben und denjenigen auszeichnen, den wahrscheinlich jeder in diesem Jahr nehmen würde. Nochmal gilt: Was Rockstar aus dieser Rolle gemacht hat, ist ein Wahnsinn. Und großer Applaus den Rollen, die ein solches Screenplay nochmal ins Wanken bringen konnten.

VIDEO GAME CHARACTER OF THE YEAR
TREVOR PHILIPS (GTA V)
2nd Place: James Kidd (Assassin's Creed IV: Black Flag)
3rd Place: Frank Honey (LEGO City Undercover)

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Beinahe konkurrenzlos knallten mir die ewig im Clinch liegenden Kings of Leon mit ihrem neuen Album Mechanical Bull in den Ohren. Dass unser SONG OF FALL aus ihrem traurigem E-Gitarrensound entspringt ist somit alles, nur kein Wunder.


Wir nähern uns langsam dem Ende und küren in folgender Kategorie nun das Lied, das meinen Sound von 2013 geprägt hat und am meisten Eindruck hinterließ. Die Titelträger der letzten Jahre, Arctic Monkeys und Deadmau5, sind nach wie vor gern gesehene Gäste in meiner Tracklist. Wer wird diesen Sonderstatus also diesmal für sich beanspruchen?

SONG OF THE YEAR
JAMES BLAKE - OVERGROWN
  2nd Place: Arctic Monkeys - Do I wanna know?
3rd Place: Kanye West - Hell of a life

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Und natürlich der mit Abstand wichtigste Straward, der nicht nur den kommerziellen Erfolg, den einschlägigsten Sound und wohltuendsten Klang ehrt, sondern den/die Menschen hinter der Musik, die nicht nur auf einer persönlichen Mission sind, sondern ihren Job auch leben und lieben.
Leider muss man für weitere Worte die Vergangenheitsform wählen, denn obwohl er mich dieses Jahr inspiriert und beeindruckt hat, musste er uns schon vor Jahren verlassen und konnte (lediglich) seine gigantischen Aufnahmen zurückgelassen, die nun an die große Kunst des japanischen DJs und Produzenten erinnern. Möge die Magie seiner Tracks uns alle überleben.

ARTIST OF THE YEAR
NUJABES
2nd Place: James Blake
3rd Place: Kanye West

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Mit all den nun vergebenen Trophäen bleibt nurmehr zu sagen:
Ich wünsche allen die Strawpinion verfolgen, oder sich für die auf meinem Blog zur Schau gestellte Musik bzw. die behandelten Games interessieren, ein wundervolles kommendes Jahr 2014. Ich hoffe es steuern weitere spannende Werke auf uns zu, die wir genießen und bewerten dürfen.

Tanzen wir mit dem SONG OF WINTER in die letzten Abendstunden des alten Jahres.

StrawHat
(bedankt sich wieder bei Amai für den schönen Award!)

Samstag, 21. Dezember 2013

1.42.1 The Streets - Original Pirate Material

8.3/10.0

Die Wirkung von Mike Skinners Debutalbum als The Streets-Prophet zieht deine Aufmerksamkeit vom ersten Beat an auf sich. Sie zahlt es mit der realistischen Ungemütlichkeit aus dem Alltag britischen Mittelstandes zurück, untermalt endlos interessante Geschichten mit der Sprunghaftigkeit und der vorherrschenden Melancholie von UK Garage. Oder ist es die allem anhängende Trostlosigkeit, die für diese verantwortlich ist?

Was Mr. Skinner in dieser Dreiviertelstunde von sich gibt ist nicht selten sozialkritisch, dafür geht schon mal gern die kreative Suche nach fließenden Rhymes verloren. Was aber in den Händen von untalentierten Oberstuflern wie ein müder Rap-Versuch abgetan werden würde, entwickelte sich über die 2000er hinweg als Sternstunde der britischen Hip-Hop-Szene. The Streets läutete ein Glöckchen, dessen Klang in kommerzieller Verwendung kein abnehmendes Ohr fand - nicht mal die schnittigen Singles wie Has it come to this? oder Kevin Mark Trails ohrwurmverdächtiger Refrain von Let's push things forward erklommen erwähnenswert hohe Spitzen.
Vielleicht ist in der erst übersehenen, später neu gewonnenen Wichtigkeit von Original Pirate Material so viel Sympathie zu finden, dass sich die Empfehlung der Scheibe so aufzwängt. Man fühlt sich beim Hören als Teil einer sinnvollen Message, sich vom tieferen Sinn der Beschreibung unserer Gedanken nicht befremdet zu fühlen.

Und doch war mein erster Eindruck von dem Album ein bloß durchwachsen positiver. Die klangliche Umstellung vom amerikanischen überproduzierten Kanye West-Kassenschlager auf die kantige Bodenständigkeit dieses Albums war ein phasenreicher Prozess, den ich nach lediglicher Anerkennung ordentlicher Produktion fast schon links liegen ließ. Doch Skinners Oi, oi, oi echote sich tapfer zurück und fing mich im dritten Anlauf erst so richtig.
Was mich nun mitriss war die offensichtliche Schlagkraft von Geezers need excitement und der Frage, warum Texte wie diese nicht in Bars oder Fußballstadien an der Wand hingen, um männliche Streitlustigkeit zu vergegenwärtigen.

Doch The Streets und seine Mitstreiter haben Platz für noch mehr Lektionen (It's too late bzw. Same old thing), die schwer zu verdauen sind, sich im Bauch auch länger niederlassen und für übergeordnetes Verständnis zwischenmenschlicher Schwierigkeiten sorgen.
Pausenclowns wie das viel zu gute Don't mug yourself und The irony of it all, das Fronten-klärende Zwiegespräch zwischen Thug und Pot-Studenten, laufen in all der Ernsthaftigkeit Gefahr deplatziert zu wirken, füllen aber essenzielles Augenzwinkern in all die Vehemenz.

Am Ende ist die propagierte Schwere unseres urbanen Albtraums von Original Pirate Material sicher ein Zwischenspiel der tragenden House-Elemente und den treibenden Skipbeats des Genres, sowie Skinners unfehlbar treffender Lyrik über hoffnungsvolle Schwäche. Wer sich von seinen Themen nicht angezogen fühlt, hat einen Teil seines Wesens schon an diese Welt verloren.

Straw Hat
(common sense, simple common sense)
--------------------------------------------------

TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Turn the page
02 Has it come to this?
03 Let's push things forward (feat. Kevin Mark Trail)
04 Sharp Darts
05 Same old thing (feat. Kevin Mark Trail)
06 Geezers need excitement
07 It's too late
08 Too much Brandy
09 Don't mug yourself
10 Who got the funk?
11 The irony of it all
12 Weak become heroes
13 Who dares wins
14 Stay positive

Sonntag, 15. Dezember 2013

1.32.2 Justin Timberlake - The 20/20 Experience - 2 of 2 (Deluxe)

3.5/10.0

Als der grobe Plan, die 20/20-Experience mit einem zweiten Album zu verstärken, aufrecht stand und vom Marketing übernommen wurde, der Greifarm mit den Dollaraugen in den ansehnlich großen Pool Studioaufnahmen abtauchte und anschließend die nächste Hand voll mit Albumkandidaten ins Netz platschen ließ, gab es sicher den einen oder anderen Moment, in dem die Verantwortlichen in die Hände klatschten und mit einem breiten Grinsen den betriebsinternen Erfolg feierten. Für sie scheint es sich bestimmt sogar als Win-Win-Situation darzustellen: Fans, die nach Jahren des ungestillten Verlangens wieder das zarte, smoothe Stimmchen am Mikrofon genießen können, zahlen den Regisseuren - ohne einen zweiten Gedanken - liebend gern den Preis für eine nicht so ganz unerwartete nachträgliche Portion Justin Timberlake 2013.

Es würde auf mich nur halb so unglaublich durchschaubar ausgefuchst wirken, wenn die Scheibe eine ordentliche Ladung kreativer, unüberproduzierter Tracks beinhaltete. Doch so golden, wie sie sich verkauft, ist sie leider nicht. Eher wirkt sie wie der stilwechselnde, Club-taugliche Abfall der ersten 20/20 Experience, die sich neben einigen zu offensichtlichen Schwächen immerhin als überstabiles, unterhaltsames Werk präsentierte.

2 of 2 wird mit Take back the night und TKO von den wohl langweiligsten Singles in Mr. Timberlakes Karriere angeführt - aber was soll man von verkaufsfördernden Auskopplungen eines Albums erwarten, das eigentlich mehr durch seinen Vorgänger beworben wird?
Die Ausführung der essenziellen Tracks dieser Zusammenstellung lässt zu allem negativem Überfluss auch zu Wünschen übrig. Murder, mit an und für sich treibendem Konzept, verliert durch Jay-Zs Rhymes über Killerfrauen wie Yoko Ono an Wert - Drink you away verblasst in seiner anfänglichen Abwechslung zum Rest der Songauswahl leider in Repetitivität, True Bloods billige Effekthascherei verbleibt eine elektronische Schande für die Songs im ersten Teil des Album-Doppels.

Und so läuft die Wanne mit Überbrückungssongs voll, ohne Luft für Höhepunkte zu lassen. Vielleicht wurde es den Produzenten ein bisschen bewusst und die Königin aller Schnulzen, Pair of Wings, wurde als Hidden Track versteckt.
Wie man sich also bei Versager-Singles und vor Langeweile platzender Nebentracks ausrechnen kann, ist die Deluxe-Version des Albums nicht seinen Preis wert. Die Bonus-Tracks passen ins Bild: Unattraktiv, aus Geldgier zusammengeschaufelt, auf den Haufen geworfen.

Wenn man Timberlake und Timbaland (der wieder in vielen dieser Lieder herumschwirrt als wär er Justins nerviger Beatbox-Sidekick) also schon nicht ihre menschenfreundliche Musikalität absprechen kann, so muss die gerechte Meinung über das Album immerhin lauten: Es wurde nur herausgebracht, damit nochmal schön abkassiert werden kann.
Der inhaltliche Gegenwert ist löchrig und nur für Leute empfehlbar, die mit der ersten Ladung einfach nicht genug hatten, oder dumm bzw. so große Fans sind, dass sie sich freiwillig von einem Record Label in die Brieftasche greifen lassen.

StrawHat
(more like TKO und Murder für das darin befindliche Geld)
------------------------------------------------------------------------------ 

 TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Gimme what I don't know (I want)
02 True Blood
03 Cabaret (feat. Drake)
04 TKO
05 Take back the night
06 Murder (feat. Jay-Z)
07 Drink you away
08 You got it on
09 Amnesia
10 Only when I walk away
11 Not a bad thing (& Hidden Track: Pair of Wings)
12 Blindness
13 Electric Lady

Montag, 9. Dezember 2013

2.61 LEGO MARVEL SUPER HEROES (PS3)

5.2/10.0

Dass die Marvel-Geldmaschine auch im Videogame-Bereich bestens funktioniert, wissen wir ja nicht erst seit gestern. Ein gigantischer Griff in die Lego-Kiste, vielleicht gar der eines Planetenfressers, offenbart also unheimlich viel kommerzielles Potential, all die kreativen Ideen eines Stan Lees oder Jack Kirbys im Spielzeugkisten-Format in einem weiteren Universum Leben einzuhauchen.
Tatsächlich konnte ich also nach dem überraschenden Spaß mit LEGO City Undercover nicht die Finger von diesem Geheimtipp - zumindest wurde es mir als solcher angeboten - lassen, in der Hoffnung von Anspielungen und Parodien vom Sofa gefegt zu werden und mir vor Lachen den Bauch zu halten.
Erwartungen erfüllt? Nun, teilweise.

Das große Pro dieses Spiels ist schlicht und einfach die unvermeidlich ansteckende Dynamik all dieser großartigen Persönlichkeiten und ihren unmenschlich menschlichen Macken.
Die untereinander stark rivalisierenden Teams und individuellen Helden nun an einem Strang ziehen zu sehen, wie sie einander über den Mund fahren und sich selbst als tragende Rolle in dem katastrophalen Dilemma mit der Handschrift von u.a. Loki, Doctor Doom oder Magneto sehen, ist nicht nur überzeugend witzig sondern auch bestechend interessant gestaltet.
Von Mission zu Mission, oder gar zwischen einzelnen Sidequests, wechseln sich die zahlreichen Avengers, X-Men, Guardians und sogar Villains spielbar ab und schenken zahlreiche erfüllende Minuten mit kleinen Auszügen ihres Kraftrepertoires.
Oft ist es in dieser bespielbaren Sandbox bloß eine spezielle Superpower, die Freischaltungen ermöglicht. Individuelle Herangehensweisen ermöglichen einem immer mehr und mehr Charaktere und Outfits - den Überblick zu behalten ist nicht immer einfach.
Glücklicherweise besteht also auch die Möglichkeit, das Ding im CoOp anzugehen und das Labyrinth an Collectibles mit zwei funktionierenden Köpfen zu durchlaufen.

Da offenbaren sich plötzlich Gameplay-Defizite, die sich mit keinem Lego-Stein der Welt reparieren lassen und das Durchspielen dieses fröhlichen und großzügigen Gastgebers zu einer anstrengenden, zweifelhaften Erfahrung herabstufen.
Die originell gemeinte wandelbare Bildschirmteilung spuckt einem wiederholt in den Spielfluss, erschwert das von Haus aus träge, ungenaue Zielverfahren von Fernwaffen und Wurfgeschossen bis zur Frustration.
Glitches verbreiteten sich in meiner PS3-Version wie ansteckende Krankheiten, eigene gestartete Quests wurden aus dem Nichts an den anderen Player vererbt, ganze Checkpoints luden sich tot, wichtige Missionspunkte tauchten gar nicht erst auf.

Das bunte und offenherzige Wesen dieses Franchises wird von schlecht umgesetzten Steuerungstücken und ungeliebt programmierter Kamera überschattet - die Bosse machen keinen Spaß, das bald schon eintönige Zusammenbauen von Schlüsselitems wirkt im besten Falle einschläfernd auf den Spieler.
Doch nicht nur hier ist die Programmierung des Lego-Videogame-Nachfolgers von City Undercover ein unbestreitbarer Rückschritt - die ganze zusammengewürfelte Marvel-Welt fühlt sich leblos und steif an. Zivilisten loopen ihre 2-3 Sätze gnadenlos, die Fahrzeuge fahren sich nicht nur mies, sie fügen absolut keine Tiefe zu dieser Welt hinzu - der einzige Weg dieses transparente Raster spaßig zu durchqueren ist als zermalmender Hulk oder fliegend, wie etwa durch die Kollegen Human Torch oder Iron Man.

Collectibles und Humor bügeln solche wahrgewordenen Schreckensvisionen nicht aus. Wer hat diese Version getestet und durchgewunken?
Es hätte so viel mehr sein können als blanker Glitchwahnsinn.

StrawHat
(mit fallender Lego-Euphorie)
---------------------------------------

LINKS:

LEGO MARVEL SUPER HEROES GAMESCOM TRAILER: http://youtu.be/67RWEWEQPAg