Freitag, 17. Mai 2013

1.7.4 Daft Punk - Random Access Memories

 
8.8/10.0

So lange auf ein weiteres Werk warten zu müssen, ist pure Tortur. Ich erinnere mich an viele Punkte in den letzten 8 Jahren, an denen ich mir fast nichts sehnlicher wünschte, als ein neues Studioalbum von Daft Punk in den Händen halten zu können.
Das ist reichlich Zeit um sich alle möglichen Werke und Fortsetzungen auszumalen. Als treuer Fan denkt man irgendwann, den Genius vollkommen zu verstehen und ein architektonisches Gesamtkunstwerk in den rauf- und runtergehörten Alben zu erkennen, die Struktur der großen Hits und der anstrengenden Lückenfüllerpassagen bis zur Ekstase zu genießen. Als begeisterter Hörer und Verfolger des Duos wird man in den unzähligen Sessions mit Homework, Discovery und Human After All eins mit dem Groove und der unaussprechlichen Dynamik der Roboter. Sie bieten begleitende Tanzmusik, hörbare Emotion zu allen Lebenslagen. Wer von Daft Punk mitgerissen wird, wandelt in einem atemberaubenden positiven wie negativen wie neutralen musikalischen Strom.
Und ist zu irgendeinem Zeitpunkt mit brutaler Wartezeit auf Lebenszeichen konfrontiert.

Jetzt gehen wir auf Sommer 2013 zu und mit tatkräftiger Hilfe musikalischer Größen wie dem fleischgewordenen Discoriff Nile Rodgers, Allroundlegende Paul Williams oder Strokes-Krachstimme Julian Casablancas (u.v.a.) wirkt die jahrelange Daft Punk-Minimalportionierung (der TRON: Legacy O.S.T. kam mit diversen Beigeschmäckern) wie ein schrecklicher Albtraum, denn Random Access Memories ist zur Abwechslung kein Hoax, kein Gerücht und kein fankonstruierter Mutmacher auf YouTube. Das Disco-Schiff ist tatsächlich existent und vor offiziellem Release über die (mittlerweile mediale pfui-bäh) Amazon-Autobahn in meiner Anlage gelandet und hat mich gleichermaßen begeistert wie gerührt. Mission accomplie, messieurs.

Die angekündigte Wiederauferstehung des Disco-Genres ist mit allen gehaltenen Versprechen eingetreten, stimmige Instrumente schaukeln in diesem Abendfüller vor sich hin. Hört man es voll aufgedreht, bewegen sich Becken und Beine wie von alleine (reimt sich), gibt man sich die Kopfhörer und schließt die Augen, sieht man Farben und imaginäre Filmchen, gemischt mit Erinnerungen und Gedankenwelten. Und der Musikgott schütze euch, wenn ihr Selbstzweifel und Liebeskummer mit euch rumschleppt, denn die Herren packen mit The Game of Love und Within Geschütze aus, die nicht spurlos an euch vorrübergehen werden.
Und wir reden hier vom Herzstück dieses Werks - dem unaufhaltsamen Emotionspusher, der von Track zu Track umspringt und euch mit Facetten wie Biografie, Musical und Raketenlärm bearbeitet.
Diese Stimulation findet abwechslungsreich aktiv wie passiv statt, denn tatsächlich ist auf dieser LP viel Begleitmusik enthalten. Für mich ein unsterbliches wohl-klingendes Mischmasch, mit perfekt positionierten Gaspedalen und geschmeidigen Bremsen, extremen Ohrwürmern und der Reise zum Inbegriff des Funk.

Wohl-klingend könnte der Knackpunkt für viele sein, denn wer sperrigen Robotersound (wie zum Großteil auf Human After All enthalten) sucht, wird hier genausowenig fündig wie die Jäger nach Tanzekstasen der Extraklasse (Alive 2007). Es klingt nach Daft Punk, aber handzahmer, schmeichelnder, ermutigender. Kein Gutes Beispiel für diese Aussage mag das wechselhafte Touch sein, durch dessen interessant in Szene gesetzte Anfangsphase man erstmal durch muss, um den wichtigsten Eindruck von Random Access Memories zu gewinnen: Es lebt.
Und du tust gut daran, es mit dir mitleben zu lassen.

Wer sich also mit einer weiteren großspurigen Seite dieser Meister zurechtfinden möchte, greift bitte zu. Es ist eine der besten Scheiben der letzten Jahre und könnte zu einer wichtigen Eckfahne in diesem Jahrzehnt heranreifen, lässt man es wachsen und stopft allen Zweiflern die Mäuler. Wer sich angewidert wegdreht, trägt ein schwer - aber immerhin - heilbares Loch in seinem Musikgeschmack umher.

StrawHat
(got lucky)
-----------------------------------------

 
TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Give Life back to Music 
02 The Game of Love
03 Giorgio by Moroder 
04 Within
05 Instant Crush
06 Lose yourself to Dance
07 Touch
08 Get Lucky
09 Beyond
10 Motherboard
11 Fragments of Time
12 Doin' it right
13 Contact

[Try the whole thing please]





Donnerstag, 31. Januar 2013

1.8.5. The Chemical Brothers - Don't Think

6.8/10.0

Wie hat die Welt auf eine Live-DVD von den zwei Manchester Urgesteinen gewartet! Don't Think beschreibt den ersten Konzertmitschnitt, den die Herren in ihrer Laufbahn offiziell veröffentlichen. Aufgezeichnet während des japanischen Fuji Rock Festivals, das große Finale ihrer Tour 2012, bieten sie eine psychedelische Achterbahn mit begeisternden Zwischenstopps auf den zahlreichen Alben, die von den Chemical Brothers in den vergangenen Jahrzehnten veröffentlicht wurden.

Don't Think fühlt sich bei aller Liebe alles andere als üblich an. Die verschiedenen großzügig verwendeten Perspektiven lassen eine gut spürbare, garantiert beabsichtigte, Awkwardness aufkommen. Das japanische Publikum, sichtliche Langzeitfans inklusive, ist dem Feiern auch nach dem x-ten Bassdrop nicht müde.

Die Brothers machen ihren Job erwartungsgemäß ordentlich und kümmern sich um die ansprechende Abwechslung auf dieser knallenden Achterbahn.
Selbstredend sind die Mixes das A und O auf dieser Scheibe. Viele gehen unter (die schlichte Verwendung vom epischen Galvanize treibt mich zu Tränen), einige verwandeln sich in unsterbliche Gesangsblumen, die sich nur für wenige Minuten zur Sonne drehen. Glücklicherweise gelingt mit Another World und Horse Power ein gelungener Start in die Scheibe. Immerhin einer von wenigen echten Höhepunkten - denn selbst der Haupttitel Don't Think hält nicht den hohen Erwartungen stand.

Somit ist es wenig erstaunlich, dass sich der Höhepunkt in einem Mix aus Klassiker (Star Guitar) und Zugpferd des neuesten Studioalbums (Swoon) ergibt.
Die kurzlebigen Details erledigen auf diesem Album die Hauptarbeit. Die Tracklist bietet zwar ein breites Spektrum an Trackgiganten, aber die Überleitungen nutzen sie an vielen Stellen zu wenig.

Während die Projektions des fiesen Clowngesichts gegen Ende des Programms langsam Herrschaft über das Publikum ergreift (manche wundern sich sichtlich, ob sie nicht eingeschlafen und in einer skurrilen Farbtraumwelt wieder aufgewacht sind), merkt man den Chemical Brothers ihre Einstellung zu ihrem Geschäft an. Die Lust zur Provokation findet an wesentlichen Eckpunkten des Konzerts Platz und, mit dem langen Warten auf einen Konzertmitschnitt, natürlich eine Menge Abnehmer.

Im Endeffekt ist es egal, wie sie das Konzert schaukeln, welche Videos sie synchron auf der Leinwand zeigen und wie sehr sie den stimmungsvollen Flow der ab und an enttäuschenden Mixes mit ergreifendem Lichtspektakel untermalen. Es sind offensichtlich zwei der größten Produzenten elektronischer Musik am Werk und wenn man die Augen schließt und sich einfach nur dem Klang von diesem einzigen Medley fügt, wird man Teil davon.
.. und Teil der Religion psychedelischer Clowns.

StrawHat
(gets himself high)
----------------------------

TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Another World / Do it again / Get yourself high
02 Horse Power / Chemical Beats
03 Swoon / Star Guitar
04 Three Little Birdies / Hey Boy Hey Girl
05 Don't Think / Out of Control / Setting Sun
06 Saturate
07 Believe
08 Escape Velocity / The Golden Path
09 Superflash
10 Leave Home / Galvanize
11 Block Rockin' Beats 
  
LINKS: 

DON'T THINK TRAILER: http://youtu.be/21UItm9UCr0 

Montag, 31. Dezember 2012

1.VI STRAWARDS 2012



Werte Leser und Interessierte,

an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt, kurz vor Jahreswechsel, präsentiere ich nun wieder die für mich herausragendsten Videospiele und musikalischen Darbietungen, die ich in diesem Jahr kennenlernen durfte.
In sechs Kategorien werden auf Strawpinion heute weitere Werke für die Ewigkeit ausgezeichnet.

Folgende Reglements sind zu beachten:

1. Ich vergebe dieses Jahr Preise an die Besten in sechs Kategorien: Videogame, Song, Music Video, Album, Live Performance, Artist.
2. Qualifiziert sind alle von mir im letzten Jahr erlebten Werke. Es spielt, trotz Erwähnung, weder Produktions-, noch Erscheinungsjahr oder Genre eine Rolle.
3. Jede Band darf nur einmal pro Kategorie nominiert werden. Ein Umstand, der im Falle von Videospiel-Produktionsfirmen in der Kategorie Best Game nicht eintritt. Maximal werden sechs Nominierungen pro Kategorie ausgesprochen.
4. In der Kategorie Live Performance zählen von mir selbst besuchte Konzerte, sowie Film- und Tonmitschnitte von Konzerten.
5. Es muss keine bereits erstellte Strawpinion zu Nominierungen bestehen.

Neu ist in diesem Jahr die ausdrückliche Erwähnung der Zweit- und Drittplatzierten, die sich auf diese Position immerhin aus maximal sechs Teilnehmern pro Kategorie durchsetzen konnten.

Diese Dinge gesagt, widmen wir uns jetzt der Hauptveranstaltung. Ich wünsche viel Neugier.

-----------------------------------------------------------------------------------------------

Wir beginnen mit dem diesjährigen SONG OF SPRING, der in diesem Jahr durch die Nominierung von sechs Kandidaten, die alle ein charismatisches Eigenleben ihr eigen nennen können, den härtesten Wettbewerb gab. Dass ich diesen Track kenne, habe ich eigentlich bloß dem Film Drive zu verdanken, der mich u.a. bewegte und mit neuen Ohrwürmern beglückte. Trotz der starken Konkurrenz kann ich nun also folgenden Link präsentieren, der euch zum Strawpinion-Frühlingslied 2012 führt: 


Erneut erklimmt also ein elektronischer Track den Frühlingsthron. Entwickelt sich da eine Tradition? Wir lassen uns von diesem Sound tragen und sehen uns den ersten Sieger an diesem 31. Dezember an. Lasst uns mit einer unglaublich wichtigen Kategorie starten, die in diesem Jahr schneller als üblich entschieden wurde. Denn obwohl ich mehr als ein Konzert besuchte und einige DVDs durchgesehen habe, kristallisierte sich schon im Frühjahr ein wahrscheinlicher Sieger heraus. Eine flippige Konzert-Party, die frech und laut und endlos war, da sie danach im Kopf weiterging. Highlights gab es an jenem Abend einige, doch die größte Wucht, den kräftigsten Eindruck hinterließ ein Song zu Beginn des Konzerts. Er war stark genug die beste Live-Band Deutschlands zu schlagen, und Künstler mit deutlich höherem Budget auf untere Plätze zu verbannen und für hier nun mit einem Straward seine eigene erfolgreiche Geschiche zu schreiben.


LIVE PERFORMANCE OF THE YEAR
(LIVE IN ERLANGEN, 2012)

2nd Place:  Seeed - Molotov (Live in Nürnberg, 2012)
3rd Place: Deadmau5 - Some Chords/Tiny Dancer (Live in Toronto, 2011)
 ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
 
Wir bleiben in der Musik und kümmern uns um die Kategorie Musikvideo. 2012 war trotz enttäuschender musikalischer Neuerscheinungen immerhin mit starken Clips gesegnet. Clips, die in meinem Ranking über eine lange Zeit gleichauf lagen, doch in Anbetracht der Tatsache, wie oft ich das Gewinnervideo gesehen habe, muss ich mich zur Ehrlichkeit zwingen.

MUSIC VIDEO OF THE YEAR
 


 -----------------------------------------------------------------------------------------------------------

Zeit für eine weitere Runde Musik. SONG OF SUMMER ist an der Reihe, und wird präsentiert von einer Newcomer-Band (naja, zumindest für mich). Sie läuteten mit diesem kräftigen Rocksong schon im Juni den Sommer ein, schlugen Billy Joel und Mando Diao um Längen.

 Nun geht's weiter mit dem besten Album in diesem Jahr. Viel Auswahl gab es nicht, da das meiste Zeug heuer maximal fürs gelegentliche Hören gut war. Darum kehren wir zum Sieger auch an den Anfang des Jahres zurück, denn es war eines der ersten behandelten Themen auf Strawpinion.
Das Album wurde immerhin vielerorts im letzten Jahr zur besten Rockscheibe gekürt. Daher ist es auch keine Überraschung, dass es ein Jahr darauf auch bei den Strawards einschlägt.

ALBUM OF THE YEAR
FOO FIGHTERS - WASTING LIGHT

 2nd Place: Mando Diao - Ode to Ochrasy
3rd Place: The Black Keys - El Camino

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Von knallendem E-Gitarrensound zu überwältigendem Gefetze auf der Konsole. Das Spiel des  Jahres ist wieder ein aktuelles, und es blieb größtenteils tatsächlich konkurrenzlos. Nach meinem Einstieg in Steam hätte man mit einem überragendem PC-Spiel rechnen können, doch die PS3 hatte dann doch die Nase vorn.

GAME OF THE YEAR
BORDERLANDS 2
 
2nd Place: Rayman Origins
3rd Place: Back to the Future: The Game
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
SONG OF FALL war eine weitere schwere Entscheidung in diesem Jahr, denn ein vielseitiger Pool an Künstlern hatte sich über die schwierigen Herbsttage gesammelt. Überraschenderweise setzte sich ein Außenseiter durch. Man kann fast davon sprechen, dass sich der Rest gegenseitig ausschaltete und das unscheinbarste Lied über blieb, das in seiner Attraktivität die Eindrücke der Jahreszeit passend vertritt.

 
Langsam wird's ernst und eng mit den Awards aber die Wichtigsten stehen unmittelbar bevor. Best Song ist retrospektiv eine unglaublich wichtige Entscheidung für mich, denn ich führe strikt Buch über sowas. Kann die übermächtige Gewalt der Arctic Monkeys 2011 mit interessantem Material ausgekontert werden? Selbstverständlich werden die vier SONGS OF THE SEASON in diese umkämpfte Kategorie miteinbezogen. Doch haben sie das Potenzial ein ganzes Jahr anzuführen?
Nein.
Übertroffen wurde der gesamte Verein von einem Kanadier, der trotz bestenfalls mittelmäßiger Alben in tatsächlich jeder Season für den Titel nominiert war, und keinen einzigen gewann. Zu recht. Doch was Inspiration und Einfluss anbelangt, so war dieses eine Lied der erste Kubikmeter Lawine, der meine neue Leidenschaft in diesem Jahr ins Rollen brachte.

SONG OF THE YEAR
DEADMAU5 FEAT. ROB SWIRE - GHOSTS'N'STUFF

2nd Place: Arctic Monkeys - R U Mine?
3rd Place: Kavinsky feat. Lovefoxxx - Nightcall

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Womit wir auch schon bei der letzten Auszeichnung 2012 angelangt wären. Der eindeutigen Königsdiziplin, dem Künstler des Jahres. Und auweia, stand da ein Haufen zur Auswahl. Da mich im Zwölfer-Jahr viele einzelne Gruppen beschäftigten statt größtenteils einer einzigen wie im letzten Jahr, wars zeitweise ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen, dass schließlich durch die anhaltende Klangqualität entschieden wurde. Ich kann förmlich nicht auf neues Material von ihnen warten und hoffe, dass beim nächsten Mal wieder auf Englisch gesungen wird, denn ihre Muttersprache liegt mir leider gar nicht.

ARTIST OF THE YEAR
MANDO DIAO
 

2nd Place: The Black Keys
3rd Place: Deadmau5

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Selbstverständlich darf ich wieder darum bitten, den Gewinnern und Nominierten dieser Strawards einen Besuch abzustatten um den Künstlern die Möglichkeit zu geben, euch auch zu beeindrucken. Keiner der hier aufgeführten Namen steht ohne Grund dort wo er steht.

Nun bleibt mir nichts mehr übrig als euch mit dem SONG OF WINTER in das neue Jahr zu verabschieden. Fast ohne ernsthafte Rivalen, konnte sich ein alter Bekannter durchsetzen, dessen Soloprojekte auch in Zukunft sicher nicht unbeachtet bleiben werden. Spätestens hier wird darüber berichtet.
Ich hoffe ihr habt euch gut unterhalten und seid im nächsten Jahr bei Strawpinion wieder mit dabei. Es wird weiter fleißig pinioned, das kann ich auf jeden Fall versprechen.


Lasst die Korken knallen!

StrawHat
(ist großer Fan von Amais Straward. Vielen Dank!)


Donnerstag, 1. November 2012

2.53 BORDERLANDS 2 (PS3)

9.4/10.0

Hier kommt jedwedes gut gemeinte Anschnallen Sekunden zu spät! Ihr seht dieses Cover und werdet in die Welt der Psychos, Waffen und schlechter Ärzte hineingesogen, mit Munition versehen und ins Feld geschickt! Borderlands 2 wird seinem Hype und seinem Ruf von der ersten Sekunde an gerecht, wirft einen Berg an großzügigen Upgrades und Individualitäten auf das spaßversprechende Gameplay des Vorgängers.

Wieder einmal im anbetungswürdigen Co-Op ging es die letzten Wochen durch den Haufen Sidequests und dem dazu beinahe zu minimalen Storyverlauf, der keinen Hehl um das lächerliche Schicksal des Planeten Pandora macht. Handsome Jack, Vorstand des Waffentechnologiemegakonzerns Hyperion, nutzte die dramatischen Ergebnisse der Entscheidungsschlacht in Borderlands für seine Machtergreifung und verpflichtet als selbsternannter Diktator alle freiwilligen, wie unfreiwilligen, Soldaten für oder absichtlich gegen seine Zwecke um höchstmöglichen Profit daraus zu schlagen und den verbotenen Vault und dessen erneute Öffnung für sich zu erringen.
Die paar talentierten frisch rekrutierten Vault Hunter haben im Namen ihrer eigentlichen Helden sozusagen von vornherein eine Rechnung offen. Und sollte es ihnen zu diesem Zeitpunkt egal sein, so findet Jack sicher einen Weg dem Spieler über Funk auf die Nerven zu gehen. Für ihn existiert immer so ein Weg.

Mit all den persönlichen Extras bietet sich für jeden spielbaren Charakter eine Wucht an Kampfkraft. Sei es die Turret für den Commander oder die paralysierende Kraft der Siren - einzuheizen hat in einem Ballerspiel noch nie so Spaß gemacht.
Der intensive Ego-Shooter-Spielspaß in Borderlands 2 ist nahezu überfordernd aggressiv, gleichzeitig unterhaltsame schwarze Komödie und andauernder Konzentrationstest in einem fortlaufenden Trip. Die geschriebenen Superlative eines Videospiels setzen auf sämtliche neu entdeckte Frechheiten und brillant eingesetzte Memes ständig einen drauf. Du denkst, du hast schon allen möglichen Arten von Gestörten auf dieser Welt eine explodierende Kugel in den Kopf gejagt? Hier kommt ein hochgelevelter Mutant aus mehreren Feinden von links, und ein zum x-ten Male verpuppter Superkäfer von rechts und beweist dir, was all deine überlebten Abenteuer wert sind: Nichts.
Denn du ruhst dich auf deinen Badass-Ranks und deinen Errungenschaften aus und versuchst dich an Shotguns, die in die Luft fliegen, wenn sie nachgeladen werden müssen und kein Gedanke vergeht daran, dass irgendwas vor dir stehen könnte, das doch noch stärker ist als du!
Borderlands 2 fördert diesen Drang sich zu verändern, sich weiter zu entwickeln und Achievements freizuschalten, extrem. Und wenn du dann doch noch am Zahnfleisch kriechst und Blutrache schwörst, umso mehr.

Die verbesserte Vielzahl an Gegnern - tatsächliches Kanonenfutter, das bei all den Unterschiedlichkeiten auch noch sichtbare Persönlichkeiten und Spaß an den bösen Taten besitzt, lässt keine ruhige Sekunde zu. Sie besitzen fiese Tricks und noch fiesere Taktiken um dich ohne möglichen Rewind sitzen zu lassen. Schimpfende Midgets, Kontrolle verlierende Bruiser, Flug der Walküre-singende Buzzards - jeder von ihnen eine geradezu tötliche Gefahr und mit der Möglichkeit, dich mit dem akzeptierten Tod zum glücklichsten Zocker zu machen.

Neben all den makabren Charakteren in diesem Spiel sind natürlich die gefühlt endlos variablen Waffen der Mittelpunkt. Mehrere Millionen Möglichkeiten an Pistols, Sniper, Shotguns, Rocket Launcher, Grenades oder Assault Rifles mit unterschiedlicher Zielgenauigkeit, Schussstärke und vielem mehr, sind überall kauf- oder auffindbar. Du musst auf dein Glück bauen um dir starkes Material anzueignen.
Na gut, ab und zu bekommst du auch mal was Gutes geschenkt ...
Du kannst all dein Geld an Automaten verspielen, in der Hoffung plötzlich mit dem Hauptgewinn dazustehen. Du wirst deine eigenen Entscheidungen in Clanwars treffen und dich für die Wahl deiner Gegner verantworten. Und du musst Claptraps Launen ertragen, ob du willst oder nicht.

Kehrseiten findet man in Borderlands 2 lediglich gut gelaunt auf, daher will man diesem lauten Spiel auch kaum Kontras andichten.
Wie erwähnt werden Gelegenheitsspieler kaum angesprochen. Die Geschichte ist in wenigen Sessions schaffbar, sollte man auf all die tollen Nebensächlichkeiten verzichten wollen (wovon man nicht ausgehen sollte).
Die Steuerung der Autos lässt zu wünschen übrig. Man lenkt die Dinger quasi mit der Kamera und muss stets auf der Hut sein nicht in seinen Tod zu fahren.
Die Läden verkaufen ab einem gewissen Zeitpunkt fast nurnoch Müll, was einen zu teuren Einkäufen an anderen Stellen, oder Stoßgebeten beim Looten der feindlichen Lager zwingt.

Dank der Vielzahl an wahrlich bemerkenswert merkwürdigen Begegnungen mit Persönlichkeiten, die Verstand und Vernunft schon vorgestern über Bord geworfen haben, sieht man diese zwickenden Nervtötereien aber kaum. Alles dreht sich um Critical Hits und Badass-Ranks. Du kannst gar nicht anders als dieses Spiel und all seine verrückten Ideen und genialen (genialen!) Dialoge und Auseinandersetzungen zu lieben.

Borderlands 2 zeigt all den peinlich mittelmäßigen Genre-Cousins wie es zu funktionieren hat. Kein Wunder, dass an der Fortsetzung gearbeitet wird - es ist der bis jetzt beste Ego-Shooter. Die schönste Blutparty, die einem einfallen könnte.

StrawHat
(Perfect double rainbow)
----------------------------------

LINKS:

BORDERLANDS 2 TRAILER: http://youtu.be/nicvyhrmTDs

Dienstag, 2. Oktober 2012

1.29.4 Deadmau5 - Album Title Goes Here

6.2/10.0

Das bewegliche Cover des Albums signalisiert auftretenden Wackelkontakt auf der neuen Scheibe des 31-jährigen Kanadiers. Und dies fälschlicherweise, denn mit Album Title Goes Here veröffentlicht der produzierende DJ seinen stabilsten Longplayer und das bis dato anregendste, ja durch die Bank anhörbarste Werk: eine angemessene akustische Visitenkarte, die man zur Abwechslung ohne größere Gewissensbisse herzeigen und weiterempfehlen kann. Nach halben Größen wie For Lack of a Better Name und Random Album Title also spürbare Weiterentwicklung, die wir in dieser Strawpinion nun unter die Lupe nehmen.

Die Reihe an konstant guten Openern reißt mit diesem Album glücklicherweise nicht ab. Superliminal klingt so, wie man sich den Start von so einer Neuerscheinung die Wochen und Monate zuvor vorgestellt hat. Explosiv, jedoch keineswegs mit Überraschungen oder Herausforderungen belegt. Es ist offensichtlich, dass der Künstler sein Publikum kennt und seinen Weg gefunden hat, so ein Projekt musikalisch zu eröffnen, sodass dies auch ab der ersten Minute Anklang findet. Prinzipiell funktioniert Channel 42 ähnlich. Alles ist laut und antreibend und mündet in die erste Auskopplung des Albums - den Genre-zelebrierenden 8 Minute Edit des seit Sommer bekannten The Veldt, für den sich Zimmerman (Deadmau5) die Stimme von Chris James via Twitter herausgepickt und verarbeitet hat. Der Track hat lang um meine Aufmerksamkeit gekämpft und schließlich gewonnen - ein Leidensweg den man fast schon auf den Künstler selber beziehen kann, den ich dieses Jahr über, nach Startschwierigkeiten, zu schätzen gelernt habe.

Mit Stücken wie Fn Pig und Maths unterstützt Zimmerman den Drive seiner Zusammenstellung selbstverständlich überzeugend, doch seltene Wundertracks wie Professional Griefers sind zugegebenermaßen der Grund warum ich von Deadmau5 nicht die Finger lassen kann. Diese hörbare Energie, diese in 4 Minuten gepackte Attitüde, dazu Gerard Ways (My Chemical Romance) unverwechselbares Geraunze, bündelt sich zu einer positiv stimmenden Attacke aufs Trommelfell, die ich mir immer und immer wieder geben kann. Sozusagen eine gelungene Neuauflage des von mir so gelobten Ghosts'n'Stuff drei Alben zuvor.

Immerhin lässt das Album ab diesem Zeitpunkt noch nicht nach oder langweilt einen zu Tränen, wie es etwa beim teils missglückten Vorgänger 4x4=12 beinahe permanent der Fall war. Zimmerman schießt ein paar wohltuende Überraschungen wie z.B. There might be coffee los, die durch ihre einfach gestrickte Anhänglichkeit im Ohr bleiben. Selbst Closer und October sind auf ihre Art zu empfehlen, obwohl ich nicht davon ausgehe, dass ich nach Monaten noch mit dem erwartungsvollen Gefühl der akustischen Befriedigung an diese Stelle des Albums zurückkehren werde.
Ihn abgehackt und verzerrt in Sleepless labern zu hören macht zwar Spaß, nimmt aber dem Song fast die Gelegenheit sich ernsthaft zu entfalten und echten Chill aufkommen zu lassen.

Schließlich und endlich schlägt Deadmau5 mit den darauffolgenden Tracks aber die falsche Richtung ein. Der verspielte kleine Hip-Hop mit Cypress Hill in Failbait haut gelinde gesagt daneben, die durchaus auf mehreren Ebenen talentierte Imogen Heap textet aus Telemiscommunications auch keine echte Stärke heraus. Als herunterladbare Bonustracks wäre dies allemal verkraftbar gewesen, doch als Abschluss einer Scheibe, die sich gänzlich musikalisch in eine bedeutsamere Richtung neigt, wirken die letzten beiden Stücke bestenfalls deplatziert.

Das Fazit von Album Title Goes Here beschreibt sozusagen bloß das doppelt unterstrichene bedeutsamste Werk Zimmermans, das sicherlich noch eine Ecke besser präsentieren könnte. Diese Lieder in Einzelteilen an ein Mixtape anzukoppeln, dürfte das größte Potential des DJs freisetzen und einem generell starken Musikwerk am Nächsten kommen.

StrawHat
(likes the sound of the broken pieces)
-------------------------------------------------

TRACKLIST & HIGHLIGHTS: 

01 Superliminal
02 Channel 42 (deadmau5 + Wolfgang Gartner)
03 The Veldt (feat. Chris James) [8 minute edit]
04 Fn Pig
05 Professional Griefers (feat. Gerard Way)
06 Maths
07 There might be coffee
08 Take care of the proper paperwork
09 Closer
10 October
11 Sleepless
12 Failbait (feat. Cypress Hill)
13 Telemiscommunications (deadmau5 + Imogen Heap)

LINKS:

PROFESSIONAL GRIEFERS (FEAT. GERARD WAY) MUSIC VIDEO: http://www.tape.tv/vid/336481
 

Freitag, 28. September 2012

VIII : 2ND BIRTHDAY



Jawoll! Heute feiert Strawpinion sein 2-jähriges Bestehen!
Knapp über 11.000 Mal wurden meine 129 Beiträge in den letzten zwei Jahren aufgerufen - selbstverständlich hoffe ich, dass es noch lange so weiter geht und viele, viele Einträge über die Musik und die Games, die mich zum Lachen und Träumen anregen folgen.

Stay pinioned, es geht munter weiter!

StrawHat
(im Geburtstagsstroh)

Dienstag, 18. September 2012

2.52 DARKSIDERS II (PS3)

6.2/10.0

35 Game-Strawpinions später kümmern wir uns um das gehypte Sequel des vielversprechenden Franchises um die apokalyptischen Reiter und ihrem brutalen Egotrip auf der PS3. Zeitgleich mit den Begebenheiten im ersten Darksiders zieht Wars Bruder Death um die Häuser, und mit Häuser meine ich Dimensionen und Königreiche, und zwingt sowohl den Lebenden, als auch den Toten, seinen Willen auf - Wars Unschuld im ... Zusammenhang .. mit ... und die Wiederauferstehung der Menschen, weil das ..

Ach, zur Hölle damit. Ich hab nur die Hälfte der Geschichte in Darksiders II verstanden, Deaths Reise ins Reich der Toten, zu seinen Feinden und Verbündeten mit der Aufmerksamkeit auf Halbmast verfolgt und vorallem die Verbindungen zum ersten Teil nur streckenweise überrissen. Fakt ist: Death hat einen ähnlich starken Geduldsfaden wie sein Bruder und eine ebenso zappelnde Hand an der Schlagwaffe. Untote Wesen aus aller Welt stellen sich ihm trotz dieser unvorteilhaften Vorhersage dennoch freiwillig in den Weg und stürzen sich in Scharen auf den von seinen Feinden teilweise definitiv zu unbeeindruckten Reiter. Hauptsächlich geht es in diesem Spiel also ziemlich heftig her. Hauptsächlich.

Niemand warnt einen jedoch vor den unerträglich öden Dungeons, die zwar durch die erwartungsgemäß düstere Atmosphäre, die so ein Game nunmal beherbergen muss, an Leben gewinnen, einen jedoch an den Rande der Langeweile schubsen.
Leider nehmen diese Underworlds den Großteil der (immerhin langen) Spielzeit ein, belohnen den Spieler mit immer stärkeren Schlagwaffen und einem schaffbaren Haufen an untotem Kanonenfutter, das man am Fließband zerhackt oder -knüppelt.
Richtig in Bedrängnis kommt man höchstens durch trügerische Attackenkombinationen der Bosse, was das Kleinvieh anbelangt, so wahrt Death jedoch stets die Form.
Ehrlich gesagt wirkt der Protagonist in seinen Handlungen sogar eine Spur zu souverän. Mit seiner herzerwärmenden Gute-Nacht-Geschichten-Stimme laufen die Gegner aus meiner Sicht eher Gefahr, seinem Charme zu verfallen, als vor seinen übermächtigen Kräften zu zittern.
Kräfte, die er meistens nur in Cutscenes von der Leine lässt - von seinem "Super-Death-Mode" mal abgesehen.

Die neuen RPG-Zugeständnisse, also Rüstungsupgrades, stärkere und schnellere Waffen und dergleichen, schieben den unspannenden Darksiders II-Alltag vor sich hin, werden spätestens ab einem gewissen Zeitpunkt - ungefähr wenn man Waffen erhält, die fünf Levels höher als das eigene sind und man sich nurmehr darauf konzentriert, endlich dazu zu kommen, sie einzusetzen - ziemlich öde. In Truhen findet man zu 95 % Müll, selbst die Händler besitzen nichts von beeindruckendem Wert.

Von diesem Sammelsurium an schwächelnden Nebensächlichkeiten gebeutelt, versucht man ab der Hälfte des Spiels, im Endeffekt, regelrecht sinnlose Quests zu erledigen, die restlichen (ebenfalls nachlassenden) Zusatz-Bosse ausfindig zu machen, und die Qual des Reisenden und all die viel zu ähnlichen Dungeons endlich hinter sich zu bringen.
Einzig der Soundtrack lässt einen nicht im Stich, fügt den überaus ansehnlichen Surroundings das gewisse Etwas hinzu und lässt euch, von der Story enttäuscht, wenigstens über all diese tollen Ideen der Designer staunen, die an diesem Spiel fast den besten Job machten.

Viel zu viel Lärm für so ein mittelmäßiges Spiel also, das man eigentlich nur probieren sollte, wenn man den Lauf der Story in Teil 1 genossen hat. Das Sequel ist leider ein gutes Stück schwächer und lässt lediglich auf Besserung in kommenden Werken hoffen.

StrawHat
(lässt sich vom Tod gern was vorlesen)
--------------------------------------------------- 

LINKS:

DARKSIDERS II TRAILER: http://youtu.be/axlUQ7BGJBw