Sonntag, 15. Dezember 2013

1.32.2 Justin Timberlake - The 20/20 Experience - 2 of 2 (Deluxe)

3.5/10.0

Als der grobe Plan, die 20/20-Experience mit einem zweiten Album zu verstärken, aufrecht stand und vom Marketing übernommen wurde, der Greifarm mit den Dollaraugen in den ansehnlich großen Pool Studioaufnahmen abtauchte und anschließend die nächste Hand voll mit Albumkandidaten ins Netz platschen ließ, gab es sicher den einen oder anderen Moment, in dem die Verantwortlichen in die Hände klatschten und mit einem breiten Grinsen den betriebsinternen Erfolg feierten. Für sie scheint es sich bestimmt sogar als Win-Win-Situation darzustellen: Fans, die nach Jahren des ungestillten Verlangens wieder das zarte, smoothe Stimmchen am Mikrofon genießen können, zahlen den Regisseuren - ohne einen zweiten Gedanken - liebend gern den Preis für eine nicht so ganz unerwartete nachträgliche Portion Justin Timberlake 2013.

Es würde auf mich nur halb so unglaublich durchschaubar ausgefuchst wirken, wenn die Scheibe eine ordentliche Ladung kreativer, unüberproduzierter Tracks beinhaltete. Doch so golden, wie sie sich verkauft, ist sie leider nicht. Eher wirkt sie wie der stilwechselnde, Club-taugliche Abfall der ersten 20/20 Experience, die sich neben einigen zu offensichtlichen Schwächen immerhin als überstabiles, unterhaltsames Werk präsentierte.

2 of 2 wird mit Take back the night und TKO von den wohl langweiligsten Singles in Mr. Timberlakes Karriere angeführt - aber was soll man von verkaufsfördernden Auskopplungen eines Albums erwarten, das eigentlich mehr durch seinen Vorgänger beworben wird?
Die Ausführung der essenziellen Tracks dieser Zusammenstellung lässt zu allem negativem Überfluss auch zu Wünschen übrig. Murder, mit an und für sich treibendem Konzept, verliert durch Jay-Zs Rhymes über Killerfrauen wie Yoko Ono an Wert - Drink you away verblasst in seiner anfänglichen Abwechslung zum Rest der Songauswahl leider in Repetitivität, True Bloods billige Effekthascherei verbleibt eine elektronische Schande für die Songs im ersten Teil des Album-Doppels.

Und so läuft die Wanne mit Überbrückungssongs voll, ohne Luft für Höhepunkte zu lassen. Vielleicht wurde es den Produzenten ein bisschen bewusst und die Königin aller Schnulzen, Pair of Wings, wurde als Hidden Track versteckt.
Wie man sich also bei Versager-Singles und vor Langeweile platzender Nebentracks ausrechnen kann, ist die Deluxe-Version des Albums nicht seinen Preis wert. Die Bonus-Tracks passen ins Bild: Unattraktiv, aus Geldgier zusammengeschaufelt, auf den Haufen geworfen.

Wenn man Timberlake und Timbaland (der wieder in vielen dieser Lieder herumschwirrt als wär er Justins nerviger Beatbox-Sidekick) also schon nicht ihre menschenfreundliche Musikalität absprechen kann, so muss die gerechte Meinung über das Album immerhin lauten: Es wurde nur herausgebracht, damit nochmal schön abkassiert werden kann.
Der inhaltliche Gegenwert ist löchrig und nur für Leute empfehlbar, die mit der ersten Ladung einfach nicht genug hatten, oder dumm bzw. so große Fans sind, dass sie sich freiwillig von einem Record Label in die Brieftasche greifen lassen.

StrawHat
(more like TKO und Murder für das darin befindliche Geld)
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 TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 Gimme what I don't know (I want)
02 True Blood
03 Cabaret (feat. Drake)
04 TKO
05 Take back the night
06 Murder (feat. Jay-Z)
07 Drink you away
08 You got it on
09 Amnesia
10 Only when I walk away
11 Not a bad thing (& Hidden Track: Pair of Wings)
12 Blindness
13 Electric Lady

Montag, 9. Dezember 2013

2.61 LEGO MARVEL SUPER HEROES (PS3)

5.2/10.0

Dass die Marvel-Geldmaschine auch im Videogame-Bereich bestens funktioniert, wissen wir ja nicht erst seit gestern. Ein gigantischer Griff in die Lego-Kiste, vielleicht gar der eines Planetenfressers, offenbart also unheimlich viel kommerzielles Potential, all die kreativen Ideen eines Stan Lees oder Jack Kirbys im Spielzeugkisten-Format in einem weiteren Universum Leben einzuhauchen.
Tatsächlich konnte ich also nach dem überraschenden Spaß mit LEGO City Undercover nicht die Finger von diesem Geheimtipp - zumindest wurde es mir als solcher angeboten - lassen, in der Hoffnung von Anspielungen und Parodien vom Sofa gefegt zu werden und mir vor Lachen den Bauch zu halten.
Erwartungen erfüllt? Nun, teilweise.

Das große Pro dieses Spiels ist schlicht und einfach die unvermeidlich ansteckende Dynamik all dieser großartigen Persönlichkeiten und ihren unmenschlich menschlichen Macken.
Die untereinander stark rivalisierenden Teams und individuellen Helden nun an einem Strang ziehen zu sehen, wie sie einander über den Mund fahren und sich selbst als tragende Rolle in dem katastrophalen Dilemma mit der Handschrift von u.a. Loki, Doctor Doom oder Magneto sehen, ist nicht nur überzeugend witzig sondern auch bestechend interessant gestaltet.
Von Mission zu Mission, oder gar zwischen einzelnen Sidequests, wechseln sich die zahlreichen Avengers, X-Men, Guardians und sogar Villains spielbar ab und schenken zahlreiche erfüllende Minuten mit kleinen Auszügen ihres Kraftrepertoires.
Oft ist es in dieser bespielbaren Sandbox bloß eine spezielle Superpower, die Freischaltungen ermöglicht. Individuelle Herangehensweisen ermöglichen einem immer mehr und mehr Charaktere und Outfits - den Überblick zu behalten ist nicht immer einfach.
Glücklicherweise besteht also auch die Möglichkeit, das Ding im CoOp anzugehen und das Labyrinth an Collectibles mit zwei funktionierenden Köpfen zu durchlaufen.

Da offenbaren sich plötzlich Gameplay-Defizite, die sich mit keinem Lego-Stein der Welt reparieren lassen und das Durchspielen dieses fröhlichen und großzügigen Gastgebers zu einer anstrengenden, zweifelhaften Erfahrung herabstufen.
Die originell gemeinte wandelbare Bildschirmteilung spuckt einem wiederholt in den Spielfluss, erschwert das von Haus aus träge, ungenaue Zielverfahren von Fernwaffen und Wurfgeschossen bis zur Frustration.
Glitches verbreiteten sich in meiner PS3-Version wie ansteckende Krankheiten, eigene gestartete Quests wurden aus dem Nichts an den anderen Player vererbt, ganze Checkpoints luden sich tot, wichtige Missionspunkte tauchten gar nicht erst auf.

Das bunte und offenherzige Wesen dieses Franchises wird von schlecht umgesetzten Steuerungstücken und ungeliebt programmierter Kamera überschattet - die Bosse machen keinen Spaß, das bald schon eintönige Zusammenbauen von Schlüsselitems wirkt im besten Falle einschläfernd auf den Spieler.
Doch nicht nur hier ist die Programmierung des Lego-Videogame-Nachfolgers von City Undercover ein unbestreitbarer Rückschritt - die ganze zusammengewürfelte Marvel-Welt fühlt sich leblos und steif an. Zivilisten loopen ihre 2-3 Sätze gnadenlos, die Fahrzeuge fahren sich nicht nur mies, sie fügen absolut keine Tiefe zu dieser Welt hinzu - der einzige Weg dieses transparente Raster spaßig zu durchqueren ist als zermalmender Hulk oder fliegend, wie etwa durch die Kollegen Human Torch oder Iron Man.

Collectibles und Humor bügeln solche wahrgewordenen Schreckensvisionen nicht aus. Wer hat diese Version getestet und durchgewunken?
Es hätte so viel mehr sein können als blanker Glitchwahnsinn.

StrawHat
(mit fallender Lego-Euphorie)
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LINKS:

LEGO MARVEL SUPER HEROES GAMESCOM TRAILER: http://youtu.be/67RWEWEQPAg

Samstag, 7. Dezember 2013

1.41.1 The Naked And Famous - Passive Me, Aggressive You

4.6/10.0

 Liest man sich lokale Albumbewertungen aus dem - zumindest von hier aus gesehen - weit entfernten Neuseeland über das Debutalbum der fünfköpfigen Indie-Popband The Naked And Famous durch, ist ein hoffnungsvoller Ton, ein unterdrücktes Flehen um internationale Akzeptanz nicht zu überhören.
Denn hat der Wurmfortsatz der Erde kulturell gesehen - nebst umwerfend attraktiven Landschaften - viele höchst interessante Aspekte, ist der musikalische Auswurf nicht mehr als relativ unbekannt für den Rest der Welt. Oder kennst du neuseeländische Rockstars?
Das habe ich mir gedacht.

Umso beeindruckender wie authentisch und selbstbewusst das Ensemble um lead vocalist Alisa Xayalith ihren Gefrierfach-Sound von den Bandproben auf ein Studioalbum übersetzen konnte, das definitiv so klingt wie geplant: Jugendlich und aufdringlich indietronisch.
Tatsächlich ist das Synth-lastige Rockwerk eine kalte Dusche an neu entstandenen Musikrichtungen, die mehr für poppige Tanzbarkeit zur Verfügung stehen, als elektrisierende, paralysierende Gitarrenriffs. Wieder keine Rockstars für Neuseeland.

Ihre Scheibe Passive Me, Aggressive You kristallisiert immerhin aufgeweckt vor sich hin, wummert nach wenigen Songs aber langsam in Richung transparenter Songmühe und Geräuschüberladung, die sich negativem Nachgeschmack fügen muss, und als bewusste Gegensteuerung ruhige Etappen - wie etwa Piano-Überleitung The Source - einleitet.

Eine Überleitung, die sich gewaschen hat. Denn aus der zu begrüßenden Ruhe erhebt sich mit The Sun das wertvolle Highlight in der Tracklist. Die ausgeklügelte Steigerung von fundamentiertem, unüberlastetem Klang endet in einer bedrückenden Schleife aus hörbarer, glaubenswerter Verzweiflung über unausweichbare Konfrontation mit kommenden Konsequenzen.
Ein Thema, über das sich ihr bislang einziger Nr. 1-Hit Young Blood in seiner fluoreszierenden Flugbahn herzlich wenig Gedanken machen muss. Die Medienwelt stürzte sich wie ein Haufen polynesischer Ratten über seine vielseitige Verwendbarkeit - er wurde in Serien und Werbeübergängen eingesetzt, und schaffte es natürlich in den erneut gelungenen Soundtrack von SSX, in dem er bei mir nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Recht viel mehr ausdrücklich positive Seiten hat das Album leider aber nicht parat. Psychedelische Elemente werden zwar angedroht, sterben aber im ersten Schritt kraftlos ab. Der warme Bademantel nach dem kühlen Gebirgsbachbad ist deutlich zu kurz geraten - der Hörer friert auf der vergeblichen Suche nach ansprechender, wärmender Harmonie. Wurde die gefährliche Küste des Kitschs von der Band erfolgreich umschifft, so läuft man spätestens am Strand der Entscheidungslosigkeit auf Grund. Xayaliths gesangliche Interpretation ist altes Zuckerbrot im besten Fall, und ein aufgeweichter Gehstock im schlechtesten. Der Rest der Band fällt trotz stabiler Performance ein Stück weit der Überproduktion zum Opfer.

Der Weltmarkt kann nur mit schleimigstem Kommerz oder unwiderstehlichstem Sound angegriffen werden. Die Idee, einen Mittelpunkt zu finden, ist weder neu noch gut - The Naked And Famous bergen aber genug Sommerhit-Potential um sich internationale Freunde zu machen. Und sind sie definitiv kein typischer Dauergast in meiner Playlist - für die nächsten Snowboard-Abfahrten stehen sie bereit.

StrawHat
(hat Sehnsucht nach einem Gebirgsbachbad)
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TRACKLIST & HIGHLIGHTS:

01 All of this
02 Punching in a Dream
03 Frayed
04 The Source
05 The Sun
06 Eyes
07 Young Blood
08 No Way
09 Spank
10 Jilted Lovers
11 A Wolf in Geek's Clothing
12 The Ends
13 Girls like you

Montag, 2. Dezember 2013

2.60 GRAND THEFT AUTO V (PS3)

10.0/10.0

Die kilometerweite Tragfläche so eines Spiels wird einem erst bewusst, als man Minute um Minute das Controller-Gaspedal gedrückt hält und sich durch den Highway-Verkehr stadtauswärts schiebt. Landschaften, Militärbasen, Vorstädte oder Raststätten ziehen an dir vorbei und man atmet das unbeherrschbare Gefühl von Videospielfreiheit in ihrer Perfektion. Möglicherweise hast du die lokale Exekutive am Hals, die dich auf 4 Sterne-Level verfolgt. Das heißt mit Hubschraubern, Spezialeinheit, Kamikaze-Streifen, sprich mit allen verfügbaren Kräften die das Los Santos Police Department zur Verfügung hat. Sie wollen dich nicht mehr lebend, denn das ist ihnen zu wertlos. Die Verbrechen, die du begangen hast sind selbst mit deinem Leben schlicht unbezahlbar.

Während du mit einem der drei spielbaren und meistens ohne Umschweife wechselbaren Hauptcharaktere Michael, Franklin oder Trevor auf ein Wunder hoffst und dir das Polizeiradar von den Fersen hältst, ist Reue das letzte woran du denkst. Du denkst: Schüttele ich sie in einer Unterführung ab oder muss ich sie wirklich abhängen? Letzteres dauert nämlich mindestens viel länger und trennt dich daher auf unbestimmte Zeit von neuen Missetaten und einem stressfreierem Gefühl von Freiheit.
Minuten und viele Stunden, die du in diesem aufregenden amerikanischen Westküsten-Abenteuer in nicht vorgeschriebenen Spielfortschritt invenstieren kannst: Erkunde freien und gesperrten Luftraum, wirf dich mit Fallschirmen aus Hubschraubern, verdiene Geld aus Taxifahrer, Downhill-Biking, Jagdmissionen - mach selbst was aus deiner Spielerfahrung! GTA V lässt dich nicht nur ein unterhaltsames Action-Abenteuer leben, es verlangt dir legale und kriminelle Kreativität ab.

Dieser herausragende und Verkaufsrekord-brechende Teil des Franchises birgt einen in die Tat umgesetzten Traum der Rockstar Studios, sämtliche passende Elemente in so ein Open World-Spiel einfließen zu lassen. Es ist das Kronjuwel ihrer Arbeit. Eines, das von Seitaktivitäten so sehr funkelt und strahlt, dass du zeitweise auf die Haupthandlung vergisst. Die großen Story-Missionen sind ein intriganter Freund - sie rüsten dich mit neuen Freischaltungen und dicken Geldbündeln, aber bringen dich dem unvermeidlichen Ende des Spiels näher und näher. Alle maßgeschneiderten Dialoge und Wendungen in Ehren, du spielst die Story durch um deine Seitenaktivitäten zu finanzieren. Ein Tag, eine ganze Woche in Los Santos kann mit so viel unterschiedlichem Zeitvertreib vorrübergehen. Vorallem wenn dich die gnadenlose Polizei wieder und wieder durch die Windschutzscheibe erschießt und dich - um dein Bargeld erleichtert - torkelnd und rachsüchtig aus dem Krankenhaus entlässt.

Es ist schwer für diese Flutwelle an innovativen Möglichkeiten Worte zu finden. Diese sozialkritische, stark überzogene Hollywood-Parodie ist bis in die hinterste Backstreet durchorganisiert und optimiert, eine überwältigende Breite an Radiosendern liefert einen ausbalancierten Soundtrack. Selbst das alles erleichternde Internet wurde für das fiktive Abenteuer programmiert. In unkomplizierten Schritten kümmerst du dich um Online-Banking, viel zu teure Besorgungen und attraktive Geldanlagen wie Investments, die sich unterwegs bei einem Spaziergang mit deinem Hund jederzeit verfolgen lassen. Diese Scheinwelt ist so lebendig wie noch nie zuvor.
An bestimmten Orten ergeben sich sogar plötzlich richtig gut geschriebene und teilweise vielleicht sogar essenzielle Kontakte - einfach weil du dich aus dem Nichts in das Leben anderer einmischen und für sie und dich Entscheidungen treffen musst.

Ja, GTA V fordert im Gegensatz zu seinen Vorgängern ein gewisses Maß an Verantwortung vom Spieler. Reine Schießereien und klassische Verfolgungsjagden können sich in kürzester Zeit massiv negativ auf deinen Kontostand auswirken. Bei Raubüberfällen gilt es im Vorhinein einen sensiblen Plan zu besprechen - die falsche Wahl an Mitstreitern gefährdet die Mission und daher auch die Beute.

Sämtliche Kritik verstummt im Spielspaß als Nebensächlichkeit. Was unangenehme Story-Schnitzer versemmeln, macht das Gesamtbild wieder gut. Als Spieler kannst du solche gigantischen Meisterwerke nur respektieren - vorallem, wenn sie dich auf tagelange Zusatzsessions online einladen.

GTA Online ist nämlich eine komplette zweite Spielerfahrung mit ganz anderen Entwicklungen und Tücken. Die zahlreichen Multiplayer-Missionen und Spielmodi geben dir und deinen Freunden, vielleicht aber auch nur spontanen Kontakten und Teammitgliedern, die Schlüssel zu zig weiteren Spielplätzen. Auch hier ist diese allgegenwärtige Gewalt unvermeidlich das Prinzip - einen spaßigeren Action-Simulator wirst du auf dem Markt nicht finden.
Es ist mindestens so schwer gegen die regelmäßig aufkeimende Lust auf GTA anzukämpfen, wie sich davon zu lösen.

Ein perfektes Spiel.

StrawHat
(findet selten keine Worte)
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LINKS:

GTA V GAMEPLAY TRAILER: http://youtu.be/N-xHcvug3WI

Samstag, 23. November 2013

2.59 RAYMAN LEGENDS (WiiU)

8.7/10.0

Da Ubisoft nicht nur Spiele verschieben, sondern sie auch auf den Markt bringen, wird es Zeit sich mit einer Strawpinion für das neue Rayman-Glanzstück zu bedanken. Die WiiU-Version bot sich geradezu an, ist sie doch bis jetzt u.a. ein brauchbares Auflösungsfeuerwerk mit einer Vielzahl an bunten Spielen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.
Nach dem überragenden, wenn auch leider unausgearbeiteten, Rayman Origins (dessen Kauf man sich ja scheinbar sparen konnte, weil das Sequel das volle Levelensemble des ersten Teils enthält) war klar, dass die Luft nach oben ordentlich genutzt werden würde. Und tatsächlich: Rayman Legends setzt noch einen drauf!

Anstatt sich wirklich um eine bodenständig erzählbare Story zu kümmern, wurde das Actiongaspedal durchgedrückt und schlicht die kuriose Armee von Gegnern, die klare Mitschuld trägt, dass dieses Franchise so beliebt geblieben ist, auf die fünf Hände voll auswählbaren Helden losgelassen. Ein unkompliziertes Jump'n'Run wie in den guten alten Tagen ist die Folge. In stabiler Rayman-Manier kickt, schlagt und schwebt ihr euch durch die einzelnen Abschnitte, bekommt es ab und an mit einstürzenden Türmen und unterschiedlichen Drachentypen zu tun und genießt in jedem Atemzug die Grafikperfektion einer aberwitzigen Fantasiewelt.
Mit dem Gamepad wurde ein weiterer geglückter Kniff umgesetzt: Player wechseln zum fliegenden Grinsefrosch Murphy, um sich oder seinen oftmals von der Screenverschiebung gestressten Freunden, die Plattformen zurecht zu legen oder Wände und Brücken zu öffnen bzw. zugänglich zu machen. Das Teamwork ist erstaunlich beansprucht worden und fühlt sich in diesem abgedrehten Wettlauf absolut richtig an.
Reicht es einem hingegen mit seinen Mitspielern, so besteht immer noch die Möglichkeit, sich schön zu dreschen und den angestauten Jump'n'Run-Frust erleichternd zu ventilieren.

Außerdem kamen ein paar witzige Gamemodes hinzu:
Während der Entwicklungsphase programmierten sich die fleißigen Ubisoft-Arbeitnehmer ein Fußballspiel, indem man nicht nur noch mehr fluchen, sondern das ganze Buttonarsenal beherrschen muss, um sein offenes Tor vor dem Gegner zu verteidigen und den Ball rein zu kriegen. Dies wurde netterweise im Spiel gelassen.
Online-Challenges holen den Speedrun-Ehrgeiz heraus. Aus aller Herren Länder finden sich Bestzeiten und gespeicherte Ghosts, die es zu übertreffen gilt. Diese werden unter der Hardcore-Kategorie erst richtig ekelhaft und beeindruckend knifflig, beschäftigen einen schonmal den ganzen Nachmittag (wenn es blöd kommt).
Natürlich muss man auch die befriedigenden World-Abschlüsse nennen, die ein weiteres großes Pro des Spiels stellen. Zum Sound von Klassikern wie Ramjams Black Betty oder Survivors Eye of the Tiger werden rhythmische Wettläufe bestritten. Sie führen durch ein ganzes Level und durch weitere (mittanzende) Gegnerhorden - alles andere als einfach da im Takt mitzuhalten.
Und wer es doch durchzieht, bekommt am Ende sogar nochmal die schwere Version der Musikstages, inklusive Kopfüberpassagen und Bildstörungen, bei denen man nur nach Erinnerung und Gehör gehen kann. Ein großartiger Zusatz, den man im nächsten Teil vermisst, sollte dieser keine Rückkehr feiern.

Rayman Legends ist also ein Spaßgarant alter Schule. Klar findet man oberflächliche Schwächen, wenn man nach ihnen sucht, aber es ist eins dieser Jump'n'Run-Spiele, die selbst auf Parties herausgeholt werden sollten - weil das Spiel zusammen und gegen einander unglaublich viel Freude hergibt. Mit der beliebten und wunderschönen Atmosphäre nimmt sich die Reihe regelmäßig selber aufs Korn und erlaubt ein neues Maximum an intensiven Zocker-Stunden voller Ohrwürmer und großer, staunender Augen.

StrawHat
(lässt sich viel zu leicht von Speedruns herausfordern)
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LINKS:

RAYMAN LEGENDS EYE OF THE TIGER TRAILER: http://youtu.be/HtAXSpBM8XI

Sonntag, 17. November 2013

3.3 Arctic Monkeys - AM-Tour - München 12.11.13


Das eigentliche Konzert begann erst als lead guitarist Josh McClorey sein Instrument einem Bühnenassistenten mit Schwung in die Arme warf und die auffallend kurz geratene irische Rhythm & Blues-Band The Strypes nach einem erschöpfend ausführlichen Finale die Bühne verrichteter Dinge verließ.
Denn - ihren beeindruckend überzeugenden Rockton in Ehren - selbst die schnellsten und smartesten ihrer Songs konnten das Zenith-Publikum nicht halb so schnell aufkochen wie die direkt danach eintretende Vorfreude auf Rockabilly-Alex und seine Arctic Monkeys.
Und Zeit haben sie sich gelassen, bis die Bühne - begleitet von sich überschlagender Blitzbeleuchtung - plötzlich erfüllt war von fleischgewordener Variation brachialem Indierock.

Die gut gefüllte Münchner Halle wurde Tour-traditionell mit der Leadsingle des aktuellen Longplayers Do I wanna know? empfangen. Hände erhoben sich und segneten jedes im textsicheren Publikum untergehende Wort - erst Jamie Cooks Riffs durchschnitten den Kollektivgeist erfolgreich. Die einstudierte Lockerheit in Mr. Turners rhythmischem Geschaukle musste der Medizin sei Dank nicht über eine weiter andauernde Kehlkopfentzündung hinwegtäuschen, die nicht nur das Konzert in Offenbach auf dem Gewissen hatte, sondern einige weitere im heimatlichen England.
So wurde unter dem mit jedem Song wechselnden Licht das Maximum an Rock herausgeholt und Giganten wie Brianstorm, Teddy Picker, Crying Lightning und I Bet You Look Good On The Dancefloor ohne Gnade abgefeuert. Und die Mosh Pits feuerten zurück.

Leistete die Lichttechnik stimmungsvolle Arbeit, so wich die Zenith-Akustik abseits der Bühne und dem Zentrum stark von genießbarem Sound ab und verwandelte sich in eine Lärmwand, die weniger wegen musikalischer Kunst als schlecht übersetzter Lautstärke auffiel. Von springenden Klotzen passiv verprügelt und den langen Haaren der weiblichen Mehrheit (locker 2/3) gnadenlos ausgepeitscht, schleift man sich also zwischen Start und Ziel des Konzerts in sichere und angenehmere Gegenden, büßt dafür aber immerhin einige Übersicht über den Konzertverlauf ein.

Meinen Höhepunkt empfing ich daher wie kaltes Wasser auf ausgetrockneter Haut, als Drummer Matthew Helders den Takt zum attraktiven Arabella vorgab und jede Note, jede Textzeile dieses Genussstücks den anstrengenden Abend bezahlt machte.
Im Verlauf des abendlichen Gitarrenwechsels blieb kein einziger Songwunsch auf der Strecke - wenn überhaupt Kritik an der starken Setlist geübt werden sollte, dann am Unvermeidlichen: Fokus auf dem neuen Album, das mich mit seiner lediglichen Überdurchschnittlichkeit Anfang September negativ überraschte. Nichtsdestotrotz wurde der Spaß vor der nachträglichen Heimreise um Juwelen erweitert und Downtempo-Mädchenliebling Cornerstone wurde bloß durch die ewig unbeantwortete Frage des Lebens übertroffen, derer sich die Arctic Monkeys schlauerweise bemächtigten: R U mine tomorrow or just mine tonight?

Meine eingefleischten Favoriten live sehen, Turners Augenkontakt halten und ihn zur Vorderkante der Bühne winken zu können (hey, wer hat gesagt ich darf mir solche Sachen nicht auch einbilden?) beeindruckte mich an diesem Abend nachhaltig. Sollte der nächste musikalische Erfolg noch mehr zu meiner Zufriedenheit ausfallen, will ich die vier neuerfundenen Sheffielder gerne wieder mit Applaus in Person begrüßen. Bis dahin muss mein erstandenes T-Shirt-Arsenal eben halten.

StrawHat
(got two for the road)
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SETLIST  & HIGHLIGHTS:

01 Do I wanna know?
02 Brianstorm
03 Dancing Shoes
04 Don't sit down 'cause I've moved your chair
05 Teddy Picker
06 Crying Lightning
07 Fireside
08 Reckless Serenade
09 Old Yellow Bricks
10 Why'd you only call me when you're high?
11 Arabella
12 I want it all
13 Pretty Visitors
14 I bet you look good on the dancefloor
15 Do me a favour
16 One for the road
17 Fluorescent Adolescent
18 I wanna be yours

ENCORE:

19 Snap out of it
20 Cornerstone
21 R U Mine?

Foto by Getty Images

Donnerstag, 14. November 2013

1.5.5 Linkin Park - Recharged

2.0/10.0

Womit wir die erneute Selbstinszenierung eines ohnehin schon beträchtlich mangelhaften Albums verdient haben? Selbstverständlich damit das Label und alle Beteiligten noch mehr Geld verdienen.
Die vermeindlich mit der Zeit gegangenen Künstler von Linkin Park scheinen jedenfalls mit ihrem eingeschlagenen Weg zufrieden zu sein, sich mit ihrer stark verkauften musikalischen Gemütlichkeit im Einklang des amerikanischen Star-Alltags als erbrachte Leistung abzufinden (was die wohl so treiben, außer machen wonach ihnen ist?) und alle paar Gehaltschecks ihre Kumpelz zusammen zu trommeln um die erfolgreich aufgenommenen Songs "neu" zu interpretieren.
Das Ergebnis kann noch so miserabel sein, man zahlt bei Erscheinung trotzdem 16-18 Euro dafür.

Im Falle von Recharged, dem Namenserbe vom bedeutungsvollen Reanimation, dem meines erachtens gelungenen Remixalbum ihres Debuts, hat man sich für die effektivste Methode entschieden. Das heißt, möglichst viel kostensparenden Effektschmuh in unerträglich einfach gestrickte Songfundamente reinzuhauen um es dann als planlose Remixsammlung auf den Markt zu bringen. Mike Shinodas Interesse an Dubstep dürfte wohl als Ansatz gereicht haben. Mehr als ihn und ein paar Gäste wie Pusha T, Steve Aoki und Linkin Papst Rick Rubin hat es sicherlich nicht gebraucht, um den Wind für ein neues Album wieder aufzuladen.

Womit sich trauernde Fans schon längst abgefunden haben, ist, dass man nicht anders kann als dieses elektronische LP genauso zuzulassen, wie alle anderen Mainstream-Richtungswechsel. Die Band ist wie eine leere Leinwand auf der Rückseite eines Clubs. Und die tanzenden Gäste, die sich in diese Gasse verirren oder nach einem ausgiebigen Besuch zugedröhnt anlehnen und auf diese Fläche übergeben, formen die kommenden Veröffentlichungen. Als wahrlich einzige Konstante ist Chester Benningtons mittlerweile zur Eintönigkeit verkommene Gesangsdarbietung zu nennen, die sich auch durch dieses Album schleppt wie Musik-gewordene Langeweile.

Nicht zu vergessen: Überraschung! Der einzige neue Titel ist nicht minder schlecht und mit dem Netz aus dem Soundsumpf geangelt wie der Rest der Scheibe.

Uninspiriert, mäßige Veränderungen unspektakulär ausgeführt, teilweise minimale Abweichungen vom eigentlichen Lied, Dubsteprotz aus der Konservendose, aufeinanderfolgendes Geheule, kein einziger stabiler empfehlenswerter Titel. Faul.
Jedes weitere Wort gleicht dem ausgegebenen Geld: Verschwendet.

StrawHat
(never again victimized)
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TRACKLIST:

01 A Light That Never Comes (with Steve Aoki)
02 Castle of Glass (M. Shinoda Remix)
03 Lost in the Echo (KillSonik Remix)
04 Victimized (M. Shinoda Remix)
05 I'll be gone (Vice Remix) (feat. Pusha T)
06 Lies Greed Misery
07 Roads Untraveled (Rad Omen Remix) (feat. Bun B)
08 Powerless (Enferno Remix)
09 Burn it down (Tom Swoon Remix)
10 Until it breaks (Datsik Remix)
11 Skin to Bone (Nick Catchdubs Remix) (feat. Cody B. Ware and Ryu)
12 I'll be gone (Schoolboy Remix)
13 Until it breaks (Money Mark Headphone Remix)
14 A Light That Never Comes (Rick Rubin Reboot)